Erste Ligurische Höhen

Tag 1: La Spezia – Torpiana – Agriturismo Terre del Bosco

Liguriens typischste Speise scheint die Focaccia zu sein – mit unterschiedlichster Belegung – von „ganz ohne“ (= original ligurisch) bis pizza-ähnlich.

Wir nutzen den Abend unserer Ankunft und den nächsten Morgen, um La Spezia ein bisschen zu erkunden: Zwei Museen (nicht besucht), ein Kastell und eine lange Futtermeile stehen dabei zu Verfügung. Ansonsten ist La Spezia eine quirlige Stadt mit engen Straßen und hohen Häusern.

Wegen des unsicheren Wetters ändern wir bereits jetzt unseren Plan und wählen Torpiana im Hinterland als unseren Ausgangspunkt. So vermeiden wir einen Tag mit viel Asphalt unter den Füßen bei gleichzeitigem Regen von oben.

Nach ausführlichem Studium des Busfahrplans erwerben wir in einer RetroFahrkartenVerkaufsstelle unsere Fahrkarten.

Nach 2×40 Minuten Fahrt und 1xUmsteigen erreichen wir Torpiana. Noch ein kleiner Asphalthatscher und das Agriturismo „Terre del Bosco“

bietet uns gastfreundliche Unterkunft. Seit 20 Jahren restaurieren sie diesen Hof und haben ein wirkliches Schmuckstück geschaffen.

Das Essen ist prima und mit viel Begeisterung und vielen eigenen Produkten zubereitet.

Pasta mit Kartoffeln und selbstgemachtem Pesto – und natürlich dazu eine Schüssel frisch geriebenem Parmesan.

Tag 1: 2,5km – /220Hm – \30Hm


Tag 2: Agriturismo Terre del Bosco – Bivacco Tre Confini

Die ersten Aussichten am heutigen Tag sind weit und waldig. Das wird sich wohl in den nächsten Tagen nicht ändern.

Italiens wilde Schönheit holt uns nach wenigen Kilometern ein. Ein offiziell markierter Wanderweg ist von einem kleinen Erdrutsch betroffen.

Italiens wilde Schönheit

Dahinter haben sich Bäume und Sträucher den Weg zurückgeholt, so dass für uns kein Durchkommen ist. Wir gehen das Ganze zurück und entwickeln über kleine Sträßchen eine Umgehung. Durch dichten Wald steigen wir auf zum Bivacco Tre Confini (1368 Hm).

Lady C. findet intuitiv den versteckten Schlüssel und so dürfen wir eine einfache, gute Unterkunft genießen. Sogar einen Ofen inkl. trockenem Holz hat es.

Nur die Suche nach Trinkwasser dauert etwas länger. Zwei auf der Karte markierte Quellen erweisen sich als Fehlschlag.

Ca. 200 Hm abwärts finde ich die Sorgente Freddo und bin echt froh noch Trinkwasser gefunden zu haben.

Lady C. kocht in Rotlichtatmosphäre das Abendessen.

Danach geht es auf die Matte in den kuscheligen Schlafsack.

Tag 2: 16,5km – /1280Hm – \760Hm


Tag 3: Bivacco Tre Confini – Agriturismo Colle Del Faggio

Zunächst geht es auf wunderschönen Wegen durch dichten Buchenwald.

Einige Pässe sind mit Windrädern bestückt. Ein trauriges, notwendiges Opfer für den menschlichen Energiebedarf.

Wir durchqueren Alpgebiete, die meist durch Schotterpisten erschlossen sind.

Vom Schotterlaufen etwas ermüdet, erreichen wir das Agriturismo Colle del Faggio (892 Hm). Es bietet uns moderne, unterkühlte Unterkunft.

Fürs Abendessen sorgen wir selbst mit unserer Rucksackverpflegung.

Tag 3: 24,7km – /800 Hm – \1330 Hm


Tag 4: Agriturismo Colle del Faggio – Rifugio Malga Zanone

Wir bekommen Aussicht bis zum Mittelmeer – dafür ist dieser Ligurische Höhenweg bekannt.

Die Gesteinsschichtungen würden ein Geologenherz höher schlagen lassen. Uns bleibt nur Staunen und Bewunderung ohne Erklärung übrig.

Hier sind die Zuschauerplätze für den bald startenden Giro d’Italia schon aufgestellt – farbgetreu!

Am Passo del Bocca passieren wir das Rifugio Antonio Devoto (956 Hm) des CAI. Eigentlich ist es nur für Radsportler und Motorisierte von Interesse.

Auch drei Kilometer Sträßchenlatschen gehört dazu.

Und wieder Wald, Wald, Wald. Fast nur Laubwald und sehr wenig geschädigt – soweit ich das beurteilen kann. Es gibt keine großen Flächen mit trockenen und/oder von Borkenkäfern befallenen Bäumen.

Unterschiedliche Felsarten – hier so etwas wie Buntsandstein – fallen uns besonders auf.

Ein markierter Abzweig vom Hauptweg führt uns in wegloses Gelände, das wir zeitaufwändig durchqueren. Wir landen auf einem alten, inaktiven Kanalweg, …

… der uns direkt zum Ziel, der Malga Zanoni (1083 Hm) führt. Ein Quartett älterer Menschen hat vor neun Jahren dieses Haus übernommen und verbreitet hier eine angenehme Atmosphäre. Sie erzählen von in dieser Gegend lebenden Wölfen.

Als Dessert gibt es eine Besonderheit: Frittierte, leicht gezuckerte Akazienblüten, knusprig und leicht süß.

Tag 4: 17,2 km – / 1300 Hm – \ 1100 Hm


Tag 5: Rifugio Malga Zanoni – Rifugio Ventarola

Das Wetter ändert sich. Wolken ziehen auf.

Unsere Mittagspause können wir nur im Stehen absolvieren, da alles um uns herum feucht ist.

Es zieht weiter zu und beginnt leicht zu regnen.

Stille umgibt uns. Es ist Sonntag. Kein Mensch außer uns ist hier unterwegs.

Wir treffen auf Schlangen am Wegesrand, …

Gelbgrüne Zornnatter (ungiftig)

… lassen uns vom Ginster und anderen Sträuchern einnässen …

… und erreichen, in unseren Schuhen schwimmend, das Rifugio Ventarola (848 Hm), einem 400 Jahre alten Haus, das vor ca. 25 Jahren restauriert wurde und seitdem wieder Patina ansetzt.

Eine ziemlich dicke, große Kröte lungert am Eingang herum.

Wir sind die einzigen Gäste in dieser Selbstversorgerunterkunft und richten uns ein. Wäscheleine spannen, Klamotten und Schuhe trocknen haben höchste Priorität.

Danach noch selbstgebraute Wanderkost genießen …

… und „Beute“ trocknen: Stachelschweinborsten.

Tag 5: 19,9km – /1150Hm – \1350Hm


Tag 6: Regenpause in Ventarola und Cabanna

Heute regnet es in solchen Mengen, dass wir beschließen einen Pausentag einzulegen. In Cabanne, dem nächstgelegenen Dorf vertreiben wir uns den Vormittag in der Bar ‚Copa Cabanne‘ mit digitaler Kommunikation, Kaffeetrinken, Blogschreiben und Leutebeobachten.

Ein kurzer Ausflug in den lokalen Lebensmittelladen lässt temporär unser KruschtelHerz höherschlagen.

Nach ein paar kleinen Einkäufen und wir sind rechtzeitig zum Mittagessen wieder in der Bar. Lady C. überkommt die Fleischeslust.

Danach dümpeln wir bei fast ständigem Regen den Rest des Tages so dahin.

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