Abschied von den Bergen

Donnerstag, 9.9.:

So allmählich wird es ernst. Heute steigen wir zum letzten Mal von Bohinja Bristica auf zur alpin gelegenen Hütte, Dom Zorka Jelencica. Danach werden wir Tag für Tag uns ein Stück weiter vom alpinen Teil Sloweniens entfernen. Ein bisschen Wehmut kommt mal wieder auf. Das kenne ich schon.

Ganz entspannt laufen wir  ca. 7km und ca. 1200Hm weit und hoch. Dabei passieren wir die älteste Hütte des Slowenischen Alpenclubs …

… mit eigenem Gemüsegarten.

Der Rückblick auf die Julischen Alpen ist immer wieder wunderbar.

Wenn ich mir vorstelle, dass wir durch diese Berge gegangen sind, bin ich nachträglich dafür sehr dankbar. Die Julischen sind bestimmt noch einmal ein Besuch wert, vielleicht in einem Oktober der nächsten Jahre …

Auf steilem Weg durch Blumenwiesen, die im Juli bestimmt phantastisch vielfältig blühen, erreichen wir die Hütte, die noch etwas sozialistischen „Charme“ ausstrahlt …

Dom Zorka Jelencica

… und innen ziemlich dreckig ist.

Die längste (und älteste?) slowenische Materialseilbahn (1200m) wird von einem Motor betrieben, der bestimmt noch aus den 50ern stammt.

Für eine Lieferung werden 35 Minuten benötigt.

Heute Abend gibt es „vegetarische“ (Tomatensoße) Pasta und einen tollen Sonnenuntergang.

Freitag, 10.9.:

Überraschung!! Der Tag beginnt mit einem Sonnenaufgang.

Nach einem schlichten slowenischen Frühstück (Spiegelei mit Speck, Scheibe Brot, Tasse FrüchteKräutertee(!)) starten wir in den Ausstieg aus den Bergen.

Nochmal geht es steil und rutschig bergab, bevor der Weg sich auf einer Höhe durch den Wald und dann abwärts schlängelt.

Petrovo Brdo ist unser Zwischenziel zur Mittagszeit. Das Gasthaus liegt an einer Passtraße.

Hier treffen Rad- und Motorradfahrende sowie Wandernde zusammen und werden köstlich bewirtet.

Ab jetzt geht es ca. 800Hm bergan zur Dom Porezen, …

… wo wir freundlich von kartoffelschälenden Frauen begrüßt werden.

Es gibt heute Abend Minestra, die slowenische Variante der italienischen Ministrone, mehr Kartoffeln, weniger Gemüse, eher Eintopf als Suppe.

Samstag, 11.9.:

Wie fast immer laufen wir um 8 Uhr los. Vom nahe gelegenen Gipfel geht es abwärts.

Das ist zwar ein schöner Abstieg, jedoch der falsche Weg. Also alles wieder hinauf und auf der anderen Seite runter.

Die Landschaft wird mittelgebirgig und erinnert an Allgäu oder Hochchwarzwald.

An einem geheimen Lazarett für jugoslawische Partisanen im zweiten Weltkrieg kommen wir vorbei und informieren uns über die jugoslawische Partisanengeschichte.

Wir sind erstaunt über den slowenischen Ordnungsdrang, der mich an D, A und CH erinnert.

Die Koca Ermanova erreichen wir am frühen Abend und erleben slowenische SamstagAbendGeselligkeit. Da die Hütte schon im Herbstendspurt ist, bekommen wir kein Bett, sondern ein Platz auf dem Boden im Gastraum zugewiesen. Nach Gulasch mit Kartoffeln, Bier, Wein und Schnaps erreichen wir die passende Bettschwere und schlummern ein.

Sonntag, 12.9.:

Heute ist die Laufstrecke zwar lang (25 km, 1500Hm abwärts, 900Hm aufwärts), aber bis auf den letzten Abstieg langweilig. Auf einsamen Wegen und Sträßchen geht durch die Sonne von Weiler zu Weiler.

Eine schwarzwaldähnliche Landschaft, gepflegt, komplett durchbewirtschaftet, aber noch ansehnlich.

Die vielen, prallen Gemüsegärten in den Weilern beeindrucken uns.

Auch der Herbst wird ein bisschen eingeläutet …

Der letzte Abstieg führt steil auf schönen schmalen Pfaden hinunter nach Idriya, einem Ort mit Weltkulturerbe-Status wegen seiner Bergbautradition.

Irgendwo auf dem Weg habe ich endlich ein passendes ViaAlpinaSchild gefunden: schon ein bisschen in die Jahre gekommen und gleichzeitig auch mit der Landschaft verwachsen …

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