Alta Via Aosta No. 2 – Teil 2

Tag 9: Freitag, 4. Juli 2025:

Durch die Hauptstraße des Dorfes geht es hinaus auf unseren weiteren Weg.

Noch ein Blick zurück über die Dächer von Crest Damon.

Überall quillt Wasser heraus und sammelt sich in Bächen. Den Frosch freut es.

Bei einer Pause kühlt Lady C. ihren Problemfuß. 

Dabei beobachten uns mindestens 12 Gämsen aus ca. 50 Meter Entfernung. So nah hab ich sie noch nie erlebt. Wahrscheinlich besetzen wir gerade ihre Tränke. 

Detailreiche Blumenbeobachtungen pflastern meinen Weg. 

Kurz vor unserem heutigen Ziel finde ich in einer kleinen Höhle frisches Wasser und fülle bei Stirnlampenlicht Wasser in unsere Flaschen.

Auf vermutlich seit Jahrhunderten bestehenden Wegen geht es weiter bergan.

Der letzte Anstieg will es nochmal von uns wissen.

Dann endlich erreichen wir den Lago Cornuto (2414 Hm) und bauen unser Zelt auf. Stille umgibt uns. 

Keine Menschen weit und breit. Auf der ganzen Etappe heute ist uns mal wieder kein Mensch begegnet. Eine Gams beobachtet unser Tun. Das Bergpanorama auf der anderen Seite des Aostatals ist hinter Wolken versteckt und ich kann es nur erahnen.

Zum Abendessen gibt es selbstgemachtes Steinpilzrisotto. Fantastico. Unsere Endorphine applaudieren und schlagen Purzelbäume. 

Mit Risotto, Glück und Freiheit pur angefüllt schlafen wir müde ein.

Tag 9: Dortoir Crest – Lago Cornuto: 6,2 km – / 1515 Hm –  \ 245 Hm

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Tag 10: Samstag, 5. Juli 2025:

Der nächste Morgen, ca. 6 Uhr, ernüchtert uns. Anstelle eines Bergpanoramas regnet es und wir sind in feuchte Wolken eingehüllt.

Etwas zögerlich pellen wir uns aus den Quilts. Schon nach einer Stunde ist der WolkenSpuk vorbei und Lady C. genießt ihren Kaffee. 

Um 8 Uhr sind wir startklar und wir machen uns auf.

Zunächst durch etwas anspruchsvolles Gelände steigen wir vom Lago Cornuto hinunter auf unsere Spur, die uns zum Colle della Fricolla (2540 Hm) führt.

Durch eine Geröllwüste geht es steil hinab. Wir sind dankbar um die Orientierung, die uns die Wegmarkierung bietet.

Dann noch ein paar einfache Wasserquerungen ….

und wir erreichen wieder blumigeres Gelände.

Der Weg führt am Rand einer tiefen Schlucht entlang. Die Wasserkaskaden begleiten uns auf der ganzen Strecke und beeindrucken immer aufs Neue. Auch heute treffen wir keinen Menschen auf der Alta Via Aosta.

Ein letzter, kraftraubender Anstieg und wir erreichen in Champorcher das Albergo Castello.

Alter, italienischer Charme heißt uns willkommen. Minutiös werden wir von einem älteren Herren aufgenommen und eingewiesen. Später stellt sich heraus, dass er Chef, Kellner, Rezeption, etc. in einer Person ist. Natürlich gibt es auch helfende Hände im Hintergrund – aber eben nur dort. 

Das Abendessen nehmen wir mit einer 19-köpfigen italienischen Wandergruppe in einem traditionellen Sala da Pranzo ein. 

Es ist die bereits bekannte italienische Choreographie der Essensdarreichung, die mich begeistert: es gibt gleiches Menu für alle, und das auf hohem Niveau. Die Essenszeit ist für alle gleich, hier 20 Uhr. Der Service ist nicht dienerisch, sondern gastgeberisch. Und dazu noch etwas Retro-Patina mit Trad-Mom-Effekt. Ein perfektes Cena.

Äußerst zufrieden und abgefüllt fallen wir in die Betten und schlafen uns mal richtig aus – bis 7 Uhr 😉.

Tag 10: Lago Cornuto – Champorcher: 10,5 km – / 504 Hm – \ 1507 Hm

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Tag 11: Sonntag, 6. Juli 2025:

Wir verlassen das Albergo am Ende des Tals und erkunden weiter den Naturpark Mont Avic.

Er ist nicht so bekannt wie sein großer Nachbar, der Nationalpark Gran Paradiso, doch seine Wege und Landschaften sind auch beeindruckend, nur auf andere Weise. Das für die Aosta-Region typische Sprachengemisch zwischen italienisch und französisch ist hier klar erkennbar. Auch beim Sprechen werden die Wörter der beiden Sprachen in einem Satz gemischt.

Wir bewundern von der jährlichen Winterschneelast schon in jungen Jahren geformte Lärchen.

Nach einem schattigen Aufstieg durch den Wald schließt sich ab Dondenaz ein Höhenweg über aktive Almen an.

Gleichzeitig gibt es viel Leerstand, …

… der von Flechten in toller Farbe erobert wird.

Über Schotterwege geht es an Strommasten entlang bis wir am Nachmittag das Rifugio Del Misérin, das einer Trutzburg ähnelt, auf einer Hochebene erreichen.

Es wird von einer Gruppe junger Männer ‚in freiem Geist‘ ganz toll geführt – Freigeister mit Bodenhaftung.

Gute Musik (The Doors), gutes Essen (Polenta und Carbonade Valdostane (ein Fleischgericht!), frisch gezapftes Bier und nette Gesellschaft mit Catherine aus Frankreich runden den Tag ab. 

Tag 11: Champorcher – Rifugio del Misérin: 10,5 km – /1265 Hm – \ 87 Hm

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Tag 12: Montag, 7. Juli 2025:

Es ist frisch geworden. Noch ein Abschiedsfoto von Rifugio del Misérin und seinen Nebengebäuden …

… und wir ziehen mit wärmenden Jacken weiter unsere Bahn. Am Finestra di Champorcher (2826 Hm) wechseln wir vom Naturpark Mont Avic in den Nationalpark Gran Paradiso. 

Eine erste Aussicht auf das Gebiet des Gran Paradiso (links) und die Grivola (rechts) sind uns vergönnt.

Lediglich die Strommasten stören beim Anblick dieser wunderbaren Landschaft. Aber solange wir Menschen meinen, immer mehr Strom zu brauchen …

Dieser alte Herr Steinbock kreuzt unseren Weg und scheint erstaunt darüber, dass wir einfach so sinnlos durch die Gegend laufen ohne irgendwelche Blumen, Kräuter oder Gräser zu fressen.

passt farblich unerhört

Wir treffen auf einen freundlichen Wächter des Nationalparkes, der uns darüber informiert, dass in dieser Gegend Adler zu Hause sind. Er versucht sie heute mit seinem Fernglas zu beobachten.

Wir strawanzen weiter durch herrliche Hochlandschaft …

… und dürfen bei der wunderschön gelegenen Hütte des Nationalparkwächters komfortabel unsere Mittagsvesper halten.

Durch wunderbaren lichten Lärchenwald steigen wir moderat ab nach Lillaz, einem kleinen Vorort von Cogne. Auf diesem Abstieg bricht Lady C.’s Wanderstock. Nach über 2000 km hat er seine Dienste geleistet. Danke.

In Lillaz wird es zuvielisiert. Ein kostenloser Touribus nimmt uns mit nach Cogne. Auf den 3,5 km langen Forstweg dorthin verzichten wir.

Hier, in Cogne, dem TouriZentrum im Süden der Aostaregion ist es noch halbwegs nett. Doch möchte ich zu Zeiten von Ferragosto den Rummel hier nicht erleben. Und gleichzeitig sind wir froh, alles einkaufen zu können, was wir brauchen, inklusive neuer Wanderstöcke für Lady C.

Unser heutiges Ziel erreichen wir über einen Fußweg, der uns an den Folgen der letztjährigen Regen- und Murenkatastrophe vorbeiführt. 

Die Straße und die Wald- und Wiesenhänge wurden teilweise weggerissen, so dass die Orte monatelang aus der Luft versorgt werden mussten. Die Arbeiten zur vollständigen Wiederherstellung der Straßen werden noch lange andauern.

In Valnontey werden wir mit einem grandiosen Blick auf das Massiv des Gran Paradiso belohnt. Einfach nur paradisisch.

Noch sind wir obdachlos, doch haben wir Glück und finden in drr kleinen Bar Lauson am Ende des Dorfes ein Zimmer mit einer mega Aussicht auf das Talende mit dem Gran Paradiso als Abschluss.

Am Abend wird es windig, kühl und der Himmel trübt innerhalb von 20 Minuten ein, so dass wir die andere Seite des Bergerlebens auch noch mitbekommen.

Wir bleiben ‚daheim‘ und köcheln uns aus unseren Resten in der Badezimmerküche etwas Leckeres zusammen.

Gefüllt mit Essen, Trinken und vielen Eindrücken sinken wir müde ins Bett.

Tag 12: Rifugio del Misérin – Valnontey: 21 km – / 713 Hm – \ 1623 Hm

2 Kommentare

  1. Almut Freund
    10. Juli 2025
    Antworten

    Danke für die schönen Beschreibungen und Bilder…anregend für die nächsten Planungen! Viele Grüße,Almut

  2. 10. Juli 2025
    Antworten

    Danke für deine Begleitung, Almut. Vielleicht laufen wir uns mal über den Weg.

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