Auftakt zu Balkanien

Damit ist eigentlich schon (fast) alles klar. Wir sind auf dem Weg nach Albanien mit dem heute meistverpönten Verkehrsmittel, dem Flugzeug. Doch dazu später.

Sadik Kaceli, Public domain, via Wikimedia Commons

Wieso gerade Albanien ?


In Kontakt gekommen mit „Wandern auf dem Balkan“ bin ich zum ersten mal auf meiner Tour durch die Pyrenäen: Kurz vor Salardu lernte ich einen englischen Wandersmann kennen, der mir von einem „Balkantrail“ erzählte, der durch gebirgige Landschaften auf dem Balkan führt und auf dem man noch sehr familiär unterkommt und verpflegt wird und trotz hoher sprachlicher Barrieren in einen sehr gastfreundlichen Kontakt kommt, – also Land und Leute nah kennenlernt. Zunächst verschwand die Idee wieder in meinen allgemeinen Ideenspeicher.

Ich entwickelte meine Ursprungsidee einer Alpendurchquerung von Ost nach West bzw. von West nach Ost weiter. In Anlehnung an die Via Alpina „rot“, jedoch mit Schwerpunkt Süd- und Westalpen und mit lokalen Erweiterungen bei interessanten Gebirgsregionen entstand daraus ein wunderbares Mehrjahres-Vorhaben. Mitte Juni sollte es losgehen.

Sowohl meine Bewegungseinschränkungen in den Knien als auch die noch unklare Corona-Situation machten diesen Plan für dieses Jahr nicht stabil durchführbar.

Auf der Suche nach Alternativen brachte meine Wanderfreundin Lady C. die „Peaks of Balkan“ als eine Möglichkeit ein. Vor ein paar Jahren war sie wegen einer Hochzeit im Kosovo, machte einen Abstecher zum Ohrid-See und zur albanischen Küste und war von Land und Leuten im Kosovo und Albanien sehr angetan.

Erste Informationen über das Land besorge ich mir bei albanien.ch, einer sehr alt gedienten und informativen Seite über Geschichte, Leute, Wirtschaft, Politik, Tourismus in Albanien.

Auch das Auswärtige Amt unserer Bundesregierung und die Deutsche Botschaft in Albanien bieten aktuelle Informationen zur Corona-Pandemie und allgemeinen Sicherheitslage in Albanien.

Nun gut, „Peaks of Balkan“ ist eine 10-14tägige Tour und wir können uns damit Zeit lassen: Etappen entzerren, Pausentage einbauen, etc. – so dass ich meine Knie nicht über die Maßen strapaziere. Daneben gibt es noch Theth, ein Bergdorf, das Shangri La der Albanischen Alpen, in dessen Umgebung es noch zusätzliche Tagestouren gibt.

Informationen über diese Mehrtageswanderung haben wir auf zbulo.org, einer sehr guten kommerziellen Website bekommen. Auch der Rother-Wanderführer Peaks of the Balkans ist sehr unterstützend mit seinen detaillierten Informationen zu Übernachtungs- und Einkaufsmöglichkeiten.

Doch wie sollen wir dort hinkommen?
Zunächst erwägen wir mit einem Mietwagen so gaaanz langsam über Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro uns Albanien zu nähern. Nach einiger Recherche wird klar, dass es auf diese Weise nicht möglich sein wird: Die Mietwagen-Unternehmen gestatten aus versicherungstechnischen Gründen keine Reisen per Mietwagen durch Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien, Griechenland und Albanien.

Also Flugcheck: Zunächst ist da mein ungutes Gefühl wg. der hohen CO2-Erzeugung des Fliegers. Meine Recherche bringt mich auf den CO2-Rechner für Auto, Flugzeug und Co. und ergibt folgende Fakten und Schlussfolgerungen.

  • Zwischen Kassel und Tirana liegen ca. 1800 Autokilometer und es werden bei der Fahrt ca. 360 kg CO2 ausgestoßen, fast unabhängig davon, wieviel Personen darin transportiert werden.
  • Zwischen Frankfurt und Tirana liegen ca. 1400 Flugkilometer und es werden beim Flug ca. 275 kg CO2 pro Person ausgestoßen (bei angenommener 77%iger Auslastung des Flugzeuges).
  • Hinzu kommt meine Überlegung, dass unsere Autofahrt nach Albanien summarisch zum globalen CO2-Ausstoß zusätzlich hinzukommt, während der Linienflug sowie stattfindet, unabhängig davon, ob ich mitfliege oder nicht.
    • Gut, – wenn alle nicht fliegen würden, würde auch dieser Flug nicht stattfinden, – aber soweit sind wir Menschen leider noch nicht.
    • Natürlich wäre die beste Möglichkeit, CO2-Ausstoß zu vermeiden, zu Hause zu bleiben oder den Sommer in der Nähe, z.B. am Edersee (dort ist es auch schön) zu verbringen, oder gar nicht zu leben, – aber soweit bin ich noch nicht.
  • Die CO2-optimale Möglichkeit nach Albanien zu kommen ist doch tatsächlich der Reisebus, was mich sehr erstaunte. Die Fahrt dauert 34 Stunden. Das möchte ich derzeit meinen Knien nicht zumuten.
  • So haben wir uns entschlossen mit dem Flugzeug von Frankfurt nach Tirana zu fliegen und zur CO2-Kompensation eine Ausgleichszahlung an atmosfair zu leisten, womit Projekte zur CO2-Neutralität unterstützt werden. (Warum werden eigentlich nicht pauschal alle Flüge mit dieser CO2-Ausgleichszahlung „besteuert“?)

Da wir schon nicht so sauber nach Albanien reisen, wollen wir uns dort mit Bussen und Bahn (wenn vorhanden) fortbewegen, wenn wir nicht gerade zu Fuß unterwegs sind.

Auch Dauer und Art der Rückreise halten wir noch offen, wollen aber mindestens vier Wochen auf dem Balkan, Schwerpunkt Albanien, unterwegs sein.

Doch jetzt (25.7.2021, 23:05 Uhr) landen wir erstmal auf dem Flughafen von Tirana, der Hauptstadt Albaniens.

Albinfo, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons
Tirana

Alles weitere wird sich ergeben und wir lassen uns überraschen …

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