Tag 25: Sonntag, 20. Juli 2025:
Wir machen einen Sonntagspaziergang. Weil es ab dem Nachmittag regnen soll, haben wir die Etappe halbiert. Auch für Lady C.’s komplette Wiederherstellung ist so eine kurze Etappe sinnvoll.
Von Balme, das unter einer mächtigen Felswand gebaut wurde, spazieren wir auf gepflegtem Weg bergan …
… kommen an einem Monolithen, dem Rocca S.A.R.I. vorbei, der als Übungsfels Kletterrouten ab dem IV. Grad aufwärts zur Verfügung stellt.
Eine stark geschrumpfte Lady C. pausiert auf einer Sitzbank.
Auf der Mussa-Ebene flattert mir dieser Falter vor die Linse.
Schon zur Mittagszeit erreichen wir das Rifugio Ciriè, …
… das den Sonntagsansturm an Mittagsgästen verarbeitet: Unmengen an Polenta in verschiedenen Varianten sowie Pasta werden an über 100 Gäste ausgeteilt und von diesen vertilgt. Ich würde im Anschluß in einen komatösen Schlaf fallen. Um 16 Uhr sind fast alle Tagesgäste auf dem Heimweg und es herrscht wieder normales, ruhiges Hüttentreiben. Und wir sind mit einer 8-köpfigen Jugendgruppe die einzigen Übernachtungsgäste.
Übrigens kam der angekündigte Regen erst am Abend. Wir hätten also ruhig die ganze Etappe laufen können. Hätte, hätte, …
Tag 25: Balme – Rifugio Cirié: 5,1 km – / 445 Hm – \ 25 Hm
Tag 26: Montag, 21. Juli 2025
Beim Aufstieg kommen wir an der Alpe Rocca Venoni vorbei. Bei einer der schweren Regenfälle des letzten Jahres wurden sowohl eine Brücke wie auch der Zuweg zur Alpe durch eine Felsmure zerstört. Der Älpler arbeitet noch heute mit einem uralten Bagger an einem neuen Zuweg.
Wir steigen weiter auf über die Pian dei Morti und bekommen einen Blick auf die Uia di Ciamarella (3676 Hm) geschenkt.
Bei ca. 2590 Hm schwenken wir auf die Tour de Bessanese ein, einer grenzüberschreitenden Rundtour zwischen Italien und Frankreich.
Leider ist das wechselhafte Wetter nur für einfache Wege geeignet, so dass wir nur einen kleinen Teil dieses Rundweges gehen werden.
Wir queren Geröllfelder, die ganz langsam von Arnikapflanzen besetzt werden. Sie werden sich wahrscheinlich immer mehr ausbreiten – bis genug Humus für nachfolgende Pionierpflanzen zu Verfügung steht.
Das sind die Überreste einer Materialseilbahn des Rifugio Gastaldi aus den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Heute wird sie mittels Helikopter beliefert.
Schon am frühen Nachmittag erreichen wir das Rifugio Gastaldi (2656 Hm) am Rand des Felstheaters der Bessanese, das auf der Grenze zwischen Italien und Frankreich liegt.
Das Rifugio Gastaldi war am Ende des zweiten Weltkriegs ein Unterschlupf für italienische Widerstandskämpfer und wurde 1944 von deutschen Soldaten zerstört, inklusive der Menschen.
Es ist frisch hier oben: 8°. Und es windet sehr stark. Obwohl es sonnig ist, können wir es sitzend draußen nicht lange aushalten.
Wir holen unsere warmen Sachen aus dem Rucksack. Sie wärmen uns in der nicht geheizten Hütte. Ein Liter heißes Teewasser tut sein Übriges dazu. Wir freuen uns aufs warme Abendessen.
Den Abend verbringen wir mit 5 anderen Gästen bei köstlicher Gemüsesuppe, Gulasch und verschiedenen Gemüsemixturen. Genauso gemischt geht es sprachlich zu: italienisch, niederländisch, französisch, deutsch.
Tag 26: Rifugio Ciriè – Rifugio Gastaldi: 4,6 km – / 921 Hm – \ 103 Hm
Tag 27: Dienstag, 22. Juli 2025
Die ganze Nacht über hat es hier oben heftig geweht, so dass an der Hütte alles, was nicht fest montiert ist, kräftig geklappert hat.
Nach dem recht späten Frühstück (7:30 Uhr) beruhigt sich der Wind und Claudia, Loretta und Cornelia begeben sich in die Startlöcher.
Noch ein Rückblick auf das Rifugio Gastaldi und die Uja di Bessanese (3593 Hm) …
… und schon erreichen wir eine andere Hochgebirgslandschaft kurz vor dem Passo Collarin (2850 Hm).
Hier ist eine seilversicherte Stelle nicht mehr gangbar, weil der dazugegörige Weg abgerutscht ist, d.h. die Seile hängen irgendwie frei in der Luft. Es bleibt uns nur der Weg durch steiles, wildes Blockwerk und Geröll, der nur durch wenige Steindolmen provisorisch markiert ist.
Wir ziehen weiter unsere Bahn durch diese traumhafte, rauhe Landschaft und erreichen den Lago Rosso, …
… an dem das Bivacco San Camillo auf einem Gletscherschliffplateau zur Übernachtung einlädt. Leider ist es erst Mittag.
Noch ein Steilabstieg und wir sehen das Rifugio Cibraio (2618 Hm) in einem wunderbaren Talabschluss liegen.
Das Rifugio wird in wöchentlichem Wechsel von Freiwilligen des CAI Leini (nördlich von Turin) bewartet. Entsprechend familiär geht es hier zu.
Den Rest des Tages verbringen wir damit, Steingeißen und -böcke zu beobachten. Eine Gruppe von ca. 40! Tieren bewegt sich recht vetraulich um die Hütte herum. Claudia und Loretta pirschen sich bis auf wenige Meter heran.
Dabei entstehen tolle Nahaufnahmen. Eine davon hat Claudia mir zugesandt. Danke!
Beim gemeinsamen Abendessen mit unseren holländischen und italienischen Mitwandernden gibt es als Primo ein köstliches Pilzrisotto.
Nach dem Secondo und Dolce stellt sich die Müdigkeit schnell ein, der wir uns gern in unseren Stockbetten hingeben.
Tag 27: Rifugio Gastaldi – Rifugio Cibraio: 7,7 km – / 566 Hm – \ 606 Hm
Tag 28: Mittwoch, 23. Juli 2025
Nach einem typisch italienischen Frühstück ( Cafe Latte, 2 Zwieback mit Marmelade, 2 Kekse) fragen wir uns vor dem Rifugio, wo es denn hier einen Weg aus dem Talkessel geben soll.
Und wie immer gibt es einen Ausweg, der zwar steil, aber überraschend gut machbar ist.
Am Colle Sule (3073 Hm) kommt uns aus unserem Herkunftstal eine mächtige Wolkenwand hinterher.
Wir verabschieden uns von Claudia und Loretta kurz nach dem Colle Sule. Sie gehen weiter über die Tour Bessanese nach Pian di Mousse, wo ihre ‚macchina‘ steht.
Der markierte Weg der Tour Bessane geht hier durch das kleine, temporär angestaute Seelein. Schwimmen wollen wir nicht.
Unkonventionell hangeln wir uns über Felsstufen …
… und schmale Schneebretter am Rand entlang, bis wir wieder die markierte Route erreichen.
Wir pausieren zur Erholung. Der Weg wird zunächst einfacher – ein echter Blümchenweg auf ca. 2500 Hm!
An einer einsamen Schäferei auf einer Hochebene geht es vorbei in Richtung Lago Malciaussia, der aber noch ca. 1000 Hm tiefer liegt.
Wir steigen ab auf einem Weg, der anscheinend hauptsächlich vom Schäfer und den Tieren genutzt wird. Seichte Kehren führen uns durch den steilen Grashang.
Nach zweieinhalb Stunden Abstieg erwischt uns kurz vor unserem Ziel, dem Rifugio Vulpot, ein heftiger Regenguss inkl. krachendem Gewitter.
Wir trocknen halbwegs unsere Sachen und genießen den Abend mit einigen anderen Wandernden (D, I, CH, PL) auf der GTA.
Auf diesem Weg sind wir wieder mal angekommen. Vor sechs Jahren habe ich hier auch genächtigt und am nächsten Morgen mein mobiltel vergessen, was mir am folgenden Tag zusätzliche Kilo- und Höhenmeter einbrachte.
Tag 28: Rifugio Cibraio – Rifugio Vulpot: 10,1 km – / 677 Hm – \ 1492 Hm



































An die Geschichte mit dem vergessenen Handy kann ich mich noch gut erinnern 😀.
Grüße aus der schönen Pfalz
Ja, ich muss auch. Und an unsere gemeinsame Zeit auf dem Rocciamelone erinnere ich mich auch sehr gerne. Liebe Grüße aus Susa, wo wir einen Pausentag einlegen.