Die ersten Tage

laufen nicht so ab, wie wir es uns vorstellen. Anstelle dessen dürfen wir uns in Flexibilität, Geduld, Biss und permanenter Planänderung üben. Aber zurück zum Anfang …

Tag 0, Freitag, 28.6.:

Wir werden sowohl von Familie zu Hause als auch von Freunden am Bahnhof verabschiedet. Danke dafür.

In diesem Jahr sind wir für die erste Woche zu dritt unterwegs. Lady A. hat sich uns angeschlossen und möchte mit uns gemeinsam durch die Berge strawanzen.

Die Hauptstrecke wird über Nacht mit der Bahn (Kassel-Basel-Bellinzona-Mailand-Vercelli) zurückgelegt.

Vercelli ist Europas größtes Reisanbaugebiet. Hier verbringen wir in Bars und auf der Piazza genüssliche vier Stunden, bevor es mit dem Bus in Richtung Valsesia weitergeht. 

Gegen 15 Uhr erreicht der Bus Riva Valdobbia und wir steigen über eine Fahrstraße hinauf zum Rifugio San Antonio. Wie vorausgesagt, beginnt es kurz nach unserem Start zu regnen und gewittern und zwar so heftig, dass der Weg komplett geflutet ist und wir durch fließendes Wasser waten. Entsprechend nass erreichen wir nach einer Stunde das Rifugio.

In den Schuhen steht das Wasser und die Kleidung ist bis auf die Haut durchnässt. Mit einem Fön trocknen wir die Sachen Stück für Stück bis sie nur noch klamm sind. Der Rest trocknet am Körper.

Das Abendessen lässt allen Ungemach (der sich in Grenzen hält) wieder vergessen: Tagliatelle mit Wildschweinragout und Bonet, ein piemontesischer Pudding, als Dessert. Beides köstlich.


Tag 1, Samstag, 29.6.: 

Richtig los soll es erst heute gehen. Wegen des sehr wechselhaften Wetters habe ich die geplante Tour schon verändert, so dass wir am Mittag vor den angekündigten Gewittern, unser Ziel, das Ospizio Sottile erreichen wollen.

Doch bereits nach 20 Minuten Gehzeit wird unser Tagesplan über den Haufen geworfen. Der Weg ist auf mehreren Metern durch das gestrige Wetter weggespült worden und ein reißender Bach versperrt uns den weiteren Weg.

Wir kehren um zum Rifugio. 

Nach einem Blick aufs kommende Wetter (wechselhaft), die Wanderkarte (kein anderer Weg möglich) und den Busfahrplan (am Sonntag fährt kein Bus) entscheiden wir uns dafür, es im Nachbartal Val Otra zu versuchen. 

Das kennen wir schon von unserer letztjährigen Alpenwanderung und auch die Unterkunft ‚zar Senni‘ ist uns in guter Erinnerung. 

So stiefeln wir wieder hinunter, diesmal trocken, nach Riva Valdobbia. Über einen Fußweg entlang des Flusses Sesia wollen wir nach Alagna gehen. Doch auch hier hat der Starkregen den Weg in Teilen weggespült, so dass uns nichts anderes übrig bleibt als auf der Straße zu laufen. 

Ab Alagna geht’s dann wieder schöner, schmaler und schteiler hinauf ins Val Otra, wo Walserdörfer in toller Bergkulisse seit hunderten von Jahren Unterschlupf für Menschen und Tiere bieten. 

Wir genießen einen zwar kühlen, doch halbwegs trockenen Nachmittag und überlegen wie es weitergehen kann. Die Fortsetzung des Weges über den Pass Zuma ist wegen großer Schneemengen und neu abgegangenen Muren nicht möglich.

Uns bleibt wiederum nur der Abstieg aus dem Val Otra. Mit dem Bus werden wir in ein anderes Tal fahren und unser Glück dort versuchen, ein paar gangbare Etappen in höheren Regionen zu finden.


Tag 2, Montag, 1. Juli:

Busfahrten und Warten prägen den Tag. Ein paar Stichsätze: zu Fuß vom Val Otra hinunter nach Alagna, Cappuccino in der Bar del Guide, Bus nach Varallo und Borgosesia. Dann wird online auf Rome2Rio ein Bus mit zwei Stunden Wartezeit angekündigt, der nicht kommt. Eine Google-Suche von Lady A. ergibt eine weitere Möglichkeit: noch eine Stunde warten. Weiter geht’s nach Valle Mosso – eine Stunde warten.

Dann nach Biella und direkt weiter nach Campiglia Cervo. Endlich wieder zu Fuß weiter hinauf zum Santuario San Giovanni.

Es ist 20 Uhr. Wir haben nur noch Durst und keinen Hunger mehr. Auf der Terrasse lassen wir diesen Tag bei Bier und Nüsschen ausklingen.


Tag 3, Dienstag, 2. Juli:

Wir verabschieden uns vom Santuario San Giovanni. Über schöne Waldwege und einer nicht mehr aktiven Serpentinenstraße steigen wir auf bis zum Einstieg zum Colle della Colma. Wir streifen das monumentale Santuario Oropa, das mir schon vor fünf Jahren nicht gefallen hat (kein Foto), und steigen auf schönen Pfaden mit toller Aussicht auf die Po-Ebene,

die uns durch blühende Alpenrosenwiesen führen, hinauf zum schnuckeligen Rifugio Rosazza.

Die wirklich gastfreundliche Hüttenwirtin Claudia vewöhnt uns mit hervorragender piemontesischer Küche.

Primo: Risotto Milanese

Secondo: Rotkohl mit ‚pulled pork‘ gegart in Rotwein-Senf-Sauce und gebratenen Polentaschnitten

Die ersten ziemlich chaotischen Tage sind vorbei und wir hoffen, dass wir unsere Tour etwas geschmeidiger fortsetzen können.

Ein Kommentar

  1. Heidi
    4. Juli 2024
    Antworten

    Hallo aus den USA,
    da hat eure Tour ja ziemlich holprig begonnen. Ich wünsche euch ab jetzt nur Wunschwege und keinen Starkregen.
    Liebe Grüße Heidi 🤓

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