Diemelsteig im Dezember

Weniger kann nicht mehr los sein. Gab es auf der letzten Tour keine Menschenseele, die mir begegnet ist, so habe ich auf dem Diemelsteig noch weniger als keine getroffen.

Technische Daten: Von FreitagNachmittag bis SonntagIrgendwann wollte ich die 64 km, 1800m rauf und 1800m runter mit zwei Übernachtungen gehen. Gelungen ist mir das von Freitag 16 Uhr bis Sonntag 11 Uhr aufgeteilt in 12 km – 40 km – 12 km.

Recht spät startete ich in Heringhausen, erlebte kurz darauf einen seichten SonnenUntergang, der sich aus dem GrauInGrau der Wockendecke wie eine schwere Geburt herauspresste.

Lange noch konnte ich in der Dämmerung weiter laufen. Die Augen gewöhnen sich an die zunehmende Dunkelheit. Das Schwierigste dabei waren die Wegmarkierungen, auf die ich sehr achten musste, um mich nicht zu verfransen.

Als schwieriger stellte sich heraus in der Dunkelheit einen Schlafplatz zu finden. Mit Stirnlampe auf einem forstwirtschaftlichen Nutzweg mit links abschüssigem und rechts aufsteigendem Wald war das nicht so einfach, – wenn ich nicht auf dem Forstweg mein Lager aufschlagen wollte, – und das wollte ich nicht.

Nach einiger Zeit fand ich dann im aufsteigenden Wald hinter einer Buche ein kleines Stück ebene Fläche, auf der ich mich für die Nacht einrichtete. Improvisiertes Tarp-Aufstellen, EssenTrinkenLesen-Session und ab gings in den Schlafsack.

Der nächste Morgen empfing mich mit Rauhreif auf dem Tarp und kleinen Eiskristallen auf Blättern und Gräsern. Beim späteren Frühstück durfte ich nochmal die angefrostete Landschaft genießen.

Dieses NichtFischUndNichtFleisch-Wetter mit meist grauem Himmel strömte etwas Melancholisches aus und ich wurde davon aufgesogen. Gleichzeitig taten sich immer wieder Landschaften auf, die mich erstaunten: Weite Sichten mit milden Hügel begleiteten mich in meinem stillen Trott.

Ein Teilstück des Weges war für einige Kilometer extra als „Weg der Stille“ ausgewiesen. In meinem Fall war der ganze Diemelsteig ein Weg der Stille. Auf diesem Teilstück gab es jedoch einige bemerkenswerte Texte am Wegesrand. Eins davon erzeugte ein großes inneres „JA“ bei mir.

Am späten Nachmittag machte ich auf einer Anhöhe noch eine kuriose Entdeckung. In Eiskristalle gepackte Bäume und Gräser standen am Waldrand aufgereiht, so als wollten sie die Wintersonnenwende begrüßen und sich auf die darauf folgenden Rauhnächte vorbereiten.

Um ca. 16.30 Uhr wartete der Himmel wieder mit einem Schauspiel auf, als Nachweis dafür, dass es die Sonne noch gibt. Danke dafür.

Langsam erschlich sich die Dämmerung das Regiment und wurde von der Dunkelheit aufgeschlungen. Die Wege auf Mittelgebirgswanderungen ermöglichen es doch einfach, auch mit Stirnlampe ohne Karte und GPS weiter zu laufen. Dieses Mal hatte ich mehr Glück und fand auf einer Anhöhe einen ebenen Platz mit einer guten Aussicht auf Dörfer, in denen anheimelnd die Lichter aus den Fenstern schienen. Ein bisschen Wehmut kam in mir hoch, – aber nur kurz und nur ein bisschen.

Nach EssenTrinkenLesen baute ich mein Tarp ( = Abdeckplane aus dem Baumarkt) mal anders auf. KondenswasserMinimierend und AussichtMaximierend war das der bisher beste und einfachste Aufbau. Im Schlafsack liegend hätte ich nur noch eine Schale mit Obst und einen Becher Wein gebraucht, um den Darbietungen der Bauchtänzerinnen und der Schwertkämpfer (gender;-) zuzuschauen. So rundete sich der 40-km-Tag ab und ich schlief wohlig und warm ein, leider ohne Obst, Wein und Darbietungen.

Der nächste Morgen flog nur so dahin, – denn schließlich gab es nicht mehr viel zu laufen. Nur noch ein wirklich strammer An- und Abstieg kamen mir noch kurz vor dem Ende in die Quere. Am Ende warteten Monster mit vier schwarzen runden Füßen gemeinsam auf einem Platz. Von einem ließ ich mich auffressen und kam wohlbehalten zu Hause an.

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