Friaulische Dolomiten

Tag 7, 7.7.:
Ab heute schweifen wir vom Dolomitenhöhenweg Nr. 6 ab und drehen eine Runde auf dem Ring der Friaulischen Dolomiten. Und wieder gibt es eine, diesmal kleine, Abweichung vom geplanten Weg aufgrund einer Gerölllawine. Der Hüttenwirt schlägt uns eine Variante vor, die wir gern übernehmen. Ein typisch italienisches Frühstück „stärkt“ uns für den Weg.

Der geht zunächst auf den Pass Urtisiel auf 2.000Hm. Der Weg schlängelt sich am Talende entlang und führt über einen weiteren Pass.

Die Gegend ist so ruhig und verlassen, dass wir einen Steinbock und eine Steinböckin aus nächster Nähe beobachten können.

Beim letzten Pass setzen Regen und Hagel ein. Erbsengroße Hagelkörner treffen uns, so dass sie schmerzen. Gut, dass das Gewitter nicht in nächster Nähe stattfindet.

Der Abstieg gestaltet sich schwerer als erwartet.

Abstieg vom Passo Muso

Auch hier ist der Weg in der letzten Woche durch Wassermassen weggespült worden und wir müssen im Steilabstieg unseren eigenen Weg durch das Geröll finden, und das bei Regen. Nach ca. einer Stunde haben wir die unangenehmste Strecke überwunden.

Heilfroh gehen wir bis kurz vor dem Rifugio Pacherini auf normalem Pfad.

Hier treffen wir wieder auf die Steinlawine, die sich duch das Tal gewühlt hat. Einer meiner Wanderstöcke bricht bei einer unglücklichen Bewegung.

Rifugio Pacherini

Endlich erreichen wir die Hütte und können uns trockene Sachen anziehen. Der Ofen wird eingeheizt. Die nassen Sachen dampfen beim Trocknen.

Eigentlich führt unser morgiger Weg wieder zurück über genau den Pass, über den wir hergekommen sind. Dazu ist uns die Lust vergangen. Der Hüttenwirt erläutert uns eine andere Variante, die zwar nicht so beschädigt sein soll, aber dafür schwieriger sei und eine Gehzeit von ca. 8 Std. notwendig ist.

Auch der Weg ins Tal ist von Gerölllawinen überspült, so dass ein Abstieg einer Wanderung im weglosen Geröllgelände gleichkommt, was Ungewissheit und ständige hohe Konzentration bedeutet.

Das alles schreibe ich im Bett in einer Schlafpause auf. Wahrscheinlich entscheide ich mich für den Talabstieg, auch um die Bergstöcke zu ersetzen und um die morgige Strecke kürzer als 8 Std. zu halten. Wie es dann weitergeht, weiß ich noch nicht und muss ich jetzt auch noch nicht wissen.

Tag 8, 8.7.:
Es ist 6 Uhr am Morgen. Unsere Kleidung und unsere Schuhe sind nur teilweise getrocknet. Ein weiterer Grund, um nicht noch eine 8 bis 10stündige Bergtour mit unklarer Wegbeschaffenheit anzugehen. Also Abstieg nach Forni di Sopra.

Wir bemerken, dass im ganzen Val Suave WasserSteinGeröllLawinen in der vorherigen Woche heruntergekommen sind. Es muss ein höllisches Getöse gewesen sein. Claudio, der Hüttenwirt, bestätigt es uns.

Der Weg ins Tal ist auf den ersten 3 Kilometern von Gerölllawinen überschwemmt und nicht mehr vorhanden. Daher suchen wir uns unseren Weg selbst. Das ist nicht jedermanns Sache und die Anzahl der Hüttenbesucher wird dadurch weniger werden.

Wie das Pächterpaar der Hütte diese Situation meistern will, ist mir völlig unklar. Bei uns in D würde man das als katastrophales, existenzbedrohendes Ereignis bezeichnen und in hyperventilierenden Aktionismus verfallen. Hier wird versucht, sich der Gegebenheit anzupassen, baut neue Steinmännchen auf die Gerölllawinen als Wegmarkierungen auf und organisiert die Belieferung der Hütte durch einen Helikopter. An eine Wiederherstellung des Weges ist auf Jahre hin nicht zu denken. Nur die allernötigsten Wegebauten werden erledigt, aber die sofort.

Das Unwetter vom 29.6. war anscheinend nur lokal auf die Friaulischen Dolomiten begrenzt und hier nur auf einige Bereiche.

Leider ist unsere geplante Wanderung so sehr davon betroffen, dass wir beschließen, unsere Alpenwanderung in der nächsten Region fortzuführen und die Friaulischen Dolomiten mit dem Bus zu verlassen. Immerhin konnten wir noch einen kleinen zweitägigen Ring gehen. Ich hoffe, ich kann die Tour in ein paar Jahren noch vervollständigen.

Bevor wir uns in den Bus nach Calalzo di Cadore setzen, kann ich noch im einem Sportgeschäft ein Paar neue Wanderstöcke günstig (40% Skonti) ergattern.
Bei der Busfahrt flanieren wir nochmal an den spitzzackigen Friaulischen Dolomiten vorbei. Wir überqueren den Passo Maurio und passieren schnuckelige Bergorte bevor wir in Calalzo ankommen.


Hier stellt sich die Frage der Übernachtung. Eine digitale VorabRecherche im Bus ergab wenig Resultate mit hohen Preisen.

Wir stehen im Ortzentrum, schauen uns um und sehen ein Albergo Bivio. Die Online-Recherche ergibt eine ziemlich schlechte Bewertung, was uns neugierig macht. Eine ältere Dame begrüßt uns freundlich in ihrer Bar, die nicht besucht ist. Mobiliar, Türen und Fenster scheinen aus den 60ern zu stammen, was einer sehr nachhaltigen Langzeitnutzung entspricht.

Unser Badezimmer

Wir fühlen uns hier wohl und freuen uns über einen günstigen Preis.

Merke: Negativbewertungen können auch ein Qualitätsmerkmal sein.

Unsere Herbergsmutter ist noch mehr erfreut, als wir sie bitten uns ein Abendessen zu kochen. Es gibt einfache Kost: Tagliatelle mit Wurst und Mais, dazu Rot- und Weißwein aus Flaschen ohne Etikett, ganz nach unserem Bedarf und Geschmack. Eine entspannte Nacht steht uns bevor.

2 Kommentare

  1. Katharina
    11. Juli 2022
    Antworten

    Hallo ihr beiden Abenteurer!
    Man ist ja hautnah dabei! Toll! Ich vermisse Bilder von meiner Freundin…
    Das Bad sieht toll aus und ja: Negativbewertungen sagen oft wenig aus.
    Ich hoffe, ihr habt die Entscheidung ins Tal zu laufen gemeinsam getroffen 😉 oder ist Klaus der Guide?
    Ich wünsche euch weiterhin eine glückreiche Zeit!
    SG, Katharina

  2. 11. Juli 2022
    Antworten

    Hi Katharina ,
    ich bin nicht so der Menschenfotograf. Und wenn ich Lady C. fotografiere, bekommt sie die Fotos zur weiteren Verwendung. Ganz selten sind im Blog Menschen abgebildet. Mit Absicht.
    Und klar, bei Tourveränderungen gibt es nur einstimmige Entscheidungen, – wie in der EU. 😉

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