GTA-Süd: Nachlese

Auch eine Woche danach bin ich innerlich immer noch ein bisschen auf Wanderschaft. Wehmut über die vergangene und Lust auf die nächste Tour mischen sich. Schön dass es bereits Ende August wieder los geht (für eine Woche in die Bergamasker Alpen auf den Sentiero Orobie).

Strand von Ventimiglia

Ein paar neue Dinge habe ich mitgenommen bzw. gemacht, die richtig gut waren:

  • ebook: Ohne Stirnlampe abends im Zelt gut und relativ lange lesen zu können, das war schon klasse. Außerdem konnte ich noch je nach Stimmung und Aufnahmefähigkeit zwischen mehreren Büchern wechseln (Platz- und Gewichtsersparnis). Ich brauchte das ebook nur einmal innerhalb der 3,5 Wochen nachzuladen.
  • Wanderstöcke: Zum ersten Mal habe ich Wanderstöcke in den Bergen benutzt und habe sie sinnvoll nur bergauf und und auf langweiligen Strecken genutzt. Sie dienten mir hauptsächlich zum „ImTrottBleiben“. Außerdem hatten die Arme was zu tun und ich bekam nicht diese Finger, die sich wir nicht biegbare Würste anfühlen, nachdem sie stundenlang herabhängen. Bergab waren die Stöcke mir ein Hindernis und habe sie dabei nicht benutzt, da ich zusätzlich zu der passenden Trittstelle für meine Füße auch noch eine passende Stellfläche für die Stöcke ausfindig machen müsste. Hat mich aus Rhythmus und Gleichgewicht gebracht. Und da ich keinerlei „Knieprobleme“ habe, sind die Wanderstöcke für mich also teilweise sinnvoll und ich nehme sie wieder mit.
  • Schuhputzzeug: hört sich vielleicht doof an. Habe ich bisher auch auf keiner Packliste gelesen. Doch bin ich froh, wenn ich nach mehreren nassen Tagen meinen Schuhen (Außen Leder, innen GTX) wieder etwas Gutes für die Dichtigkeit geben kann. So habe ich immer trockene Füße (bis auf die eigene Körperfeuchtigkeit).
  • allein gelaufen: Zum ersten mal 3,5 Wochen allein ohne Mitwanderer unterwegs. Es war überraschend gut. Ich konnte stets mein eigenes Tempo laufen und musste mich mit niemanden über irgendetwas abstimmen (Pausen, Lagerplatz, Richtung, Abweichung vom Plan, …). Gleichzeitig war ich offener für Kontakte mit anderen Menschen, weil ich eben nicht in Gesellschaft unterwegs war, die dann doch manchmal ein bisschen vor neuen Kontakten abschirmt. Andererseits kenne ich natürlich die Qualitäten von Wanderungen in kleinen Gruppen und möchte diese Erlebnisse nicht aus meinem Repertoire streichen. Eher habe ich durch diese Erfahrung, dass ich auch allein sehr gut zurechtkomme, meine Möglichkeiten erweitert.

Was ich nachträglich anders machen würde:

  • Ich würde nicht mehr bis Ventimiglia laufen, sondern in der Nähe des „offiziellen“ Endes, Carnino, auch die GTA beenden.Der Weg über die Alta Via Monte Liguri als Verlängerung der GTA bis zum Mittelmeer war für mich nicht so der Bringer. Die Art der Wege (hauptsächlich schottrige Militärpisten) und die zunehmende Besiedlung und Zerstörung der Landschaft durch die Menschen nimmt der GTA zum Abschluss ihren Fokus auf entlegene Landstriche. Das mediterrane Klima (sehr warm mit hoher Luftfeuchtigkeit) ist eher zum Flanieren und Baden geeignet als zum Wandern (für mich). Und da ich kein Flanierer und kein Bader bin …

    Der Vorschlag vom gtaweb.de, beim Rifugio Garelli nach Norden abzusteigen und die GTA im Parco Naturale del Marguareis ausklingen zu lassen, hört sich gut an.

Was ich zukünftig anders machen werde:

  • (noch) weniger mitnehmen: 
    • weniger Elektronik: Zusammenfassung der Ladegeräte ebook, handy und Fotoapparat
    • weniger „biologisch abbaubare“ Seife: habe ich draußen nie benutzt. Ich wusste mir immer anders zu helfen: Sand, Pflanzenblätter, Toleranz, …
  • mehr italienisch können:
    Um mehr von den Menschen auf dem Weg mitzubekommen und nicht in der „Wanderer-Blase“ stecken zu bleiben, ist es einfach notwendig. Z.B. hätte ich mich gern mit einem Schäfer mehr unterhalten, da ich selbst mal ein paar Schafe gehabt habe. 
  • mehr treiben lassen:
    Ich möchte ausprobieren, wie es ist, anstatt eines definierten Weges und eines Zieles, lediglich eine Richtung zu haben und den Rest von den „Umständen“ sich ergeben zu lassen. 

Und hier geht es direkt zum nördlichen Teil der GTA, 
den ich erst zwei Jahre später erlaufen habe.

4 Kommentare

  1. Frank_Z
    28. Dezember 2021
    Antworten

    Hallo Klaus,
    Habe vor gut 2 Monaten mein GTA-Projekt abgeschlossen, aufgeteilt auf mehrere Jahre mit je ca. 10 bis 20 Wandertagen, in unterschiedlichen Richtungen, immer zwischen Ende September und Ende Oktober, Teilstücke aus unterschiedlichen Gründen nicht aufeinanderfolgend. Teils habe ich auch im Zelt übernachtet, 2019 dies aber auf der Strecke von Susa bis Alagna nicht ein einziges mal benutzt, es gab genug halbverfallene Hütten und leere Kuhlställe, 2021 waren ziemlich viele Biwakhütten dabei.
    Letztes Jahr startete ich coronabdingt in Ventimiglia, über den Monte Grammondo, Sospel (GR52), Les Merveilles nach Entraque. Eine landschaftlich und archäologisch sehr interessante Strecke, man ist nur einen halben Tag in der Zivilisation. Den AVML habe ich mir mal für das Fahrrad (MTB?) irgendwann aufgehoben.
    Nun gibt es noch eine Lücke vom Nuffenen Pass oder Omegna bis zum Pfitscher Joch und eine Lücke von Graz bis an die Adria, um den ganzen Alpenbogen zu beenden.

    LG,

    Frank

    PS: Die Hunde von Ania (Etappe 8) haben sich mittlerweile 2x vermehrt. Wien ist immer eine Reise wert.

    • 28. Dezember 2021
      Antworten

      Hallo Frank,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar und Glückwünsche dafür, dass du dein GTA-Projekt abgeschlossen hast.
      Mich hatte es damals auch etwas traurig gemacht, dass so etwas Schönes auch mal zu Ende geht.

      Die Variante Ventimiglia -> Monte Grammando -> GR52 hört sich interessant an. Die merke ich mir für später.
      Ob du auf der AVML mit dem MTB glücklich wirst? Neben den wirklich grobschottrigen Militärwegen, die dich (unabhängig von den Fahrkünsten), durchschütteln, gibt es bestimmt noch ein paar Trage- und Fahrkunstteststrecken: https://www.bike-magazin.de/touren/italien/italien-via-dei-monti-liguri

      Falls Wien mal ein Ziel von mir werden sollte (ist aber eher unwahrscheinlich), melde ich mich bei dir.

      LG Klaus

  2. Frank_Z
    28. Dezember 2021
    Antworten

    Hier gibt es noch eine Etappe, die über das im Kürschner Führer beschriebene Ende offizielle Ende der GTA in Viozene hinausgeht:
    https://www.piemontescape.com/en/hiking/gta-stage-71-rifugio-mongioie-ormea/c3e58eb3fadc6895425be020b482900f/
    Im Norden gibt es auch ein Stück vom Lago Maggiore zum Nuffenenpass, wurde wohl 2011 in einem italienischsprachigen Führer beschrieben und ist auch auf der Miniübersichtskarte der National Geographics Karte zu sehen: https://www.piemontescape.com/en/hiking/gta-stage-1-cannobio-falmenta/1af6e1751e9fd2159cbfdfec16fbc346/

    • 28. Dezember 2021
      Antworten

      Ja, die zusätzliche Etappe ist bei https://www.klingenfuss.org/gta.htm als „Balconata di Ormea“ bezeichnet und wird von ihm als eine schöne Abschlussetappe beschrieben, für diejenigen, die nicht die Füße ins Meer stecken wollen.

      Und die nördliche Variante ist auch schon im Bildband „Der Weg“ von Eberhard Neubronner (2006) als ursprüngliche GTA-Variante beschrieben. Er selbst ist jedoch erst ab „Molini“ eingestiegen. Übrigens: das Buch lohnt sich auch als Nachlese zur GTA.

      LG Klaus

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