GTA-Nord: Lago Nero -> Rifugio Coda

Tag 21, Samstag:
Von Lago Nero zum Rifugio Madonna della Neve

Der Himmel ist voller wabernder Wolken und vermischt sich mit dem Grau des Gerölls, über das ich mit hinauf zum Passo Maccagno (2495m) bewege. 

Natürlich habe ich vorher in feuchter Kühle mein Geraffel geraffelt. Frühstück soll später an einem angenehmeren Plätzchen folgen. Es ist noch zu kühl.

Nach einem etwas steilen Abstieg folgen Stücke von genüsslichen Plattenwegen, die zu zwei weiteren Pässen führen. Irgendwie haben sie schon französische Namen, ich bin etwas desorientiert.

Kaffee, Brot und Käse am letzten Col d. Mologna Grande, für den zu meinem Erstaunen zwei gravierend abweichende offizielle Höhenangaben angegeben werden.

Kurz hinab zum im Nebel liegenden Rifugio Rivetti, in dem ich einen großen Cafelatte und eine Tafel Schokolade vertilge.

Über Alpen Rücksturz nach Piedicavallo (frei übersetzt: Pferdefüße).

Piedicavallo

Blumen am Wegesrand

Nachdem ich meine Sachen und mein Zelt in schwacher Sonne halbwegs getrocknet bekommen habe, setze ich meinen Weg fort hinauf zum Rifugio Madonna della Neve.

Dieses entpuppt sich als kleine Oase.

Duschen, all meine Wäsche waschen, Abendessen, angenehme Gespräche mit dem Hüttenwirt, der seine Tierliebe in Form von drei tschechischen Wolfshunden und sieben großen, schwarzen französischen Pferden auslebt.

Ein guter Schlaf in einem guten Bett rundet alles ab. Mehr braucht’s nicht.

Tag 21: ~8,1 Std. ~14,1km /~820m ~1660m

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Tag 22: Sonntag:
Von Rifugio Madonna della Neve nach Rifugio Coda

Nach einem typisch italienisch mageren Frühstück ging es hinab nach Rosazza, einem etwas eigentümlichen Ort. Ein Architekt hat sich hier mit verschiedenen Baustilen, unter anderem dem schottischen, verewigt. Ansonsten wirkt der Ort leer und wie aus der Zeit gefallen.

Santuario San Giovanni

Hinauf zu einer ersten alten Klosteranlage, die heute ein beliebtes Sonntagsausflugsziel ist.

Dann pilgere ich weiter über einen langgestreckten Höhenweg, lasse mein Blut von Mücken aussaugen, kratze mich überall und bleibe so wenig wie möglich stehen, vor lauter Sorge, komplett ausgesaugt zu werden. Dann endlich Santuario Oropa, ein norditalienisches „Pilgerzentrum“.

Santuario Oropa

Innenhof mit allen kommerziellen Möglichkeiten 

Wahrscheinlich wären vor ca. 2000 Jahren alle Händler und Gastronomen von einem gewissen J. aus N. verjagt worden.

Oder ein gewisser G. hätte die wahre Freude daran, wie seine Fans am Sonntag sich spielend und genießend um seine Kultstätte versammeln.

Sogar die Picknickmöbel werden mitgebracht, in der Menge platziert, um sich dem Glücksspiel hinzugeben. 

Um dem ganzen Sonntagstrubel zu entkommen nehme ich die Seilbahn und lasse mich auf 1800m hochkatapultieren.

Hier treffe ich auf eine noch aktive Korbseilbahn, die weiter auf den Monte Camino führt. Kurios.

Das ist die Warteschlange der Ausflügler vor der Seilbahn, die abwärts fahren wollen. Geduld ist angesagt.

Für die musikalische Untermalung sorgt ein Blasorchester der italienischen Gebirgsjagenden.

Nach ca. 150hm Anstieg kommt der typische Effekt auf: Stille und kein Mensch mehr weit und breit. Geschafft! 

Es geht über (zu) gut markiertes Blockgelände …

…und über eine etwas exponierte, gut abgesicherte Stelle …

… zum Rifugio Coda mit der phantastischen Aussicht von der Punta della Sella (2315m).

Hier treffe ich wider Erwarten auf Jörg und Elke, die ihren Ruhetag hier verbringen. Wir geniessen gemeinsam mit Mischa und zwei weiteren GTA-Wandernden den Abend inkl. Sonnenuntergang. Der Rest braucht keine Worte…

Tag 22: ~9,8 Std. ~24,5km /~1130m ~900m

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