HRP-West: Erkenntnisse

Die Rückreise nach Kassel gestaltete sich entspannt und flüssig. Per Anhalter durch den Tunnel nach Vielha, einem der Haupt-Skiorte in den spanischen katalanischen Pyrenäen – weiter per Autostop (geht gut hier) über den N-230 bis zur spanisch- katalanisch-französischen Grenze;

hier durfte ich eine kleine katalanische Autonomie-Demonstration erleben – weiter per Anhalter in Frankreich auf der N-125 bis nach Montréjeau. Parallel dazu besorgte ich mir online je eine Bahnfahrkarte bei oui.sncf für die Strecke Montréjeau-Toulouse-Paris-Straßbourg (inkl. Schlafwagen von Toulouse nach Paris, – war super!) und eine Fahrkarte bei bahn.de von Straßbourg nach Kassel. Muss noch getrennt gekauft werden, – so ganz europäisch geht der Online-Fahrkartenkauf dann doch noch nicht. 

Ende einer Wanderung: ich bin wieder in den Netzen

Ein paar Tage bin ich schon wieder zu Hause und habe über diese Tour nachgedacht und, soweit mir möglich, -gefühlt.

Zum Bestandsschutz der Pyrenäen müsste ich eigentlich schreiben,

  • dass die HRP langweilig und anstrengend ist und sich eine Begehung nicht lohnt
  • dass die Pyrenäen landschaftlich und stimmungsmäßig weit hinter den Alpen zurückbleiben
  • dass es an Essen, Trinken und Gastfreundschaft hapert
  • usw.

So würde ich zumindest nicht dazu beitragen, dass dieses Großod (Kleinod wäre untertrieben) als ein Traumziel für Wandernde attraktiver wird.

Doch ist das komplette Gegenteil der Fall. Wanderungen in den Pyrenäen sind für Menschen sehr geeignet, die es gern einfach, urwüchsig und still lieben. Ski-Resorts, Shopping-Meilen und touristische Ballungszentren sind seltene Ausnahmen und dienen eher als abschreckende menschengemachte Kontrapunkte.

Meine Erkenntnisse für mich aus/während der Wanderung:

  • Das Sehen der wundervollen Landschaft wurde mir mit der Zeit (bei mir in diesem Fall nach ca. 3 Wochen) zum Normalen, schliff sich ab. Ich nahm sie nicht mehr so intensiv wahr wie zu Beginn der Wanderung. Aufgrund der wunderbaren Reizflut nahm mein Reizempfinden ab. Eigentlich ist es doch gut, wenn das Schöne zum Normalen wird … und gleichzeitig ist es schade, wenn ich einfach so dran vorbei laufe.
    Also scheint es für mich besser, mehrere „kürzere“ (2-4 Wochen) Touren zu machen, um so meine Sensitivität für das Neue/Schöne/… zu erhalten.

  • Je mehr Tage ich unterwegs war, nahm ich die körperliche Belastung insbesondere bei steilen Abstiegen intensiver wahr. Durch dieses schmerzhafte Gehen wurden meine Schritte unsicherer, was wiederum mehr Aufmerksamkeit und Anstrengung notwendig machte, was wiederum früher erschöpfte.
    Also scheint es sinnvoll, wöchentlich einen Ruhetag zur Regenerierung einzulegen. Auch mein Gepäck werde ich nochmals prüfen und reduzieren.  
  • Obwohl ich auch gern allein gelaufen bin, habe ich mich über angenehme Begegnungen (auch menschliche ;-)) stets gefreut.
    Also scheint es sinnvoll, in einem Zeitraum zu laufen, in der die Hütten noch bewirtschaftet sind und die Wege, Pässe und Hochtäler noch begangen werden, aber nicht überlaufen sind.

  • Idee: Im September 2019 werde ich die HRP ab Rifuge de la Soula fortsetzen. So gebe ich mir die Möglichkeit, die vier „spektakulären“ Etappen (lt. Ton Joosten), für die evtl. Steigeisen notwendig sind, doch noch zu laufen (in diesem Jahr bin ich sie auf dem GR11 umgangen). September, weil die bewirteten Hütten nicht mehr voll, aber noch offen sind. Außerdem war das Wetter in diesem September stabil schön, – typisches Bergwetter eben. 

  • Neben den typischen Pyrenäen-Durchquerungen GR10, GR11 und HRP gibt es noch viele weitere wunderbare Bergwanderungen (Rund- und Streckentouren), für die sich die etwas weitere Anfahrt lohnt. Die digitale Karte TopoPirineos ist dabei die Basis für eine schier unerschöpfliche Anzahl von Möglichkeiten. Eine weitere Fundgrube für Wanderungen, Seen, Gipfel und den „Pyrenäismus“ allgemein ist die französisch-sprachige Website pyrenees-passion.info

Kenndaten:

  • 24 Tage, davon 1 Pausentag
  • Übernachtungen: Zelt: 11, Cabanas: 2, Refuges: 5, Gîte d’étape: 6
  • ~186 Std. ~417 km /~26.600 m \~24.900 m

Im August 2019 bin ich dann den zweiten Teil, die HRP-Ost, angegangen. Hier geht es gleich weiter zu diesen Blogbeiträgen.

Blogbeiträge HRP-Ost

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