Im November 2018 war ich schonmal allein hier im Leinebergland. Wegen ungünstiger Schuhwahl und starken Regens hatte ich damals die Tour nach einer von drei geplanten Etappen abgebrochen.
Diesmal, Ende März, will ich es mit Unterstützung durch Lady C. und Frau S. nochmal versuchen. Mit der Bahn lassen wir uns von Kassel nach Coppenbrügge bringen.
Zu Beginn bauen wir noch einen Abstecher durch die Teufelsküche und über den Fahnenstein ein. Dabei wird uns ein überraschend rapider Anstieg und anschließend etwas Aussicht beschert.
Oben, auf dem Ith-Kamm angekommen laufen wir fast permanent durch Bärlauchfelder – soweit das Auge reicht. Das satte, ausgiebige Grün tut unseren Augen gut.
Auffällig ist, dass hier auf dem Kammweg seit 2018 sehr viele Eschen wegen des Eschentriebsterbens umgefallen sind. Ursache ist ein Pilz, das Falsche Weiße Stengelbecherchen, der die Esche befällt. Unter anderem schwächt er ältere Bäume so, dass andere Lebewesen, wie z.B. die Eschenbastkäfer der Esche zusätzlich Schaden zufügen können. Dabei erzeugen sie für unser Auge ästhetische Fraßmuster unter der Rinde.
Grenzsteine aus verschiedenen Menschenzeitaltern begleiten den Kammweg. Schon im 15. Jahrhundert wurde hier versucht Eigentum an Boden und Wald voneinander abzugrenzen.
Wie leiten Menschen das Recht auf Eigentum an anderen Lebewesen (Bäume, Boden, …) her?
Solange die Baumkronen blattfrei sind, können sich die Bodenpflanzen (hier Bärlauch) austoben und einen Augenschmaus von Bodendeckerteppich ausbreiten. Auch gut für BärlauchPesto geeignet!
Ein senkrecht am Baumstumpf klebender Hundehaufen?
Frau S. als Biologin klärt uns auf, dass es sich um einen Kohlen-Kugel-Pilz handelt. Er ist bretthart und lässt sich als Anzündhilfe und Schreibutensil wie ein Kohlestift verwenden. Noch nie vorher wahrgenommen.
Der Abendhimmel verwöhnt uns ohne Wolken. Wir stapfen durch alte Buchenblätter. In ein paar Wochen wird sich das Blätterdach schließen und der Himmel wird hier bis zum Herbst fast nicht mehr zu sehen sein.
Die vielen kleinen und großen Kalk- oder Dolomitfelsen (ca. 150 Millionen Jahre alt!) am Ith-Kamm werden an wärmeren Tagen gern von Kletternden besucht. Einige Felsen sind wegen Brutpflege seltener Vögel (z.B. Wanderfalke) für Kletternde verboten.
Etappenziel ist heute der Jugend-Zeltplatz Ith der DAV-Jugend Nord. Wir sind überrascht, weitere vier Zelte bei dieser recht frischen Temperatur (ca. 0°) vorzufinden. Doch ist der Platz so weitläufig, dass wir fast freie Zeltplatzwahl haben.
Wir richten uns für die Nacht ein. Bei der Zubereitung des Abendessens (Frau S. versorgt uns mit Nudeln, Bärlauchpesto und Krabben – echt lecker.) wird es schon dunkel und auch noch kälter. Nach dem Essen verschwinden wir schnell in die Zelte und Schlafsäcke und erholen uns im Schlaf.
Mit den anderen Zeltenden (10 junge Menschen des DAV Kiel) teilen wir uns am nächsten Morgen den Unterstand und bereiten unser Frühstück vor.
Wir halten Rat, wie es heute weitergehen soll. Lady C. hat in der Nacht Halsschmerzen bekommen und schwächelt ein wenig. Heute soll es häufig regnen und kalt bleiben. Die Zelte können somit tagsüber nicht getrocknet werden. Unsere nächste Unterkunft soll ein Unterstand in 23 km Entfernung sein. All diese Bedingungen würden nicht zu Lady C.’s Genesung beitragen. Wir beschließen daher unsere Tour hier zu beenden, auch weil hier ein guter Ausstieg aus dem Ith-Hils-Weg möglich ist. Es ist zwar schade und gleichzeitig rational völlig sinnvoll.
Bei Kaffee und Müsli erfahren wir einiges über die Jugendarbeit des DAV Kiel und sind erstaunt über die Kälteresistenz der jungen Leute, die noch vier weitere Tage auf dem Zeltplatz bleiben wollen. Zum Klettern ist es noch zu kalt. Wir freuen uns über ihre Hilfsbereitschaft: Da sie mit ihrem Gruppenbus einkaufen fahren, bieten sie an, uns bis zur nächsten Bushaltestelle mitzunehmen. Das erspart uns einen Asphalthatscher im Regen. Vielen Dank dafür.
In Eschershausen warten wir auf den Bus. Derweil studieren wir merk-würdige Auslagen in Leerstand-Schaufenstern. Man kann sich einfach nicht daran sattsehen.
Unser UmstiegsBahnhof Altenbeken zeigt Stabilität in seiner Lost-Place-Repräsentanz: Seit 8 Jahren hat sich an dem Zustand des ehemaligen Bahnhof-Kiosk nichts geändert. Ich bin beeindruckt.


Immer noch bleibt die Ith-Hils-Wanderung nach einer von drei Etappen unvollendet.
Ein nächster Versuch kommt bestimmt. Dann wird der Ausgangspunkt der Jugendzeltplatz Ith sein. Ich freue mich schon jetzt drauf.
















Viel Glück beim dritten Mal.
Schönes Osterfest🐰
Danke, Heidi – du treue Begleiterin – auch bei unseren kurzen und nicht stets erfolgreichen Kurzausflügen. Dir auch eine gute, lebendige Zeit über diese Ostertage.