Ausnahmsweise mal ein sonniger Morgen, …
den ich mit Aussicht aus dem Klofenster auf Naturschneekunst und Pizzo Lucendro genieße.
Etwas windig ist es beim Schaufeln der Terrasse.
Mal wieder ist es frostig. Die Bergdohlen machen ihr Gefieder dick und erstarren auf der Versorgungsleitung für Wasser und Strom.
Hilas nutzt die Gunst der 0-Gäste-Tage und holt sich Streicheleinheiten, die er bei Anwesenheit vieler Gäste nicht bekommt.
Ich koche dem Hüttenteam Jota, ein slowenisches Nationalgericht, bestehend aus Sauerkraut, Kartoffeln, Bohnen und Speck. Solange es Jota nicht jeden Tag gibt, schmeckt es richtig lecker.
Verschnaufpause zwischen zwei Tiefdruckgebieten. Wir genießen die Stille, die Sonne, die Kälte und die Aussicht.
Zum Aufwärmen gibt es am Abend „Oma’s Brotsuppe“. Auch lecker, aber gleicher Effekt wie bei Jota: Bitte nicht zuviel des Guten.
Jetzt sind wir komplett eingeschneit. Es geht nicht mehr hoch und nicht mehr runter. Inga verbringt ihre Freizeit auf der Hütte.
Pia putzt die Satellitenschüssel, damit wir wieder Verbindung mit dem Internet bekommen.


Und wieder essen: diesmal Pizzoccheri ‚Urner Art‘ (Eigenkreation mit normalen Maccaroni, Weißkohl und Spinat).
Es schneit heute mal nicht: ich buddle das Gashäuschen frei, damit die Gasflaschen in Zukunft schneller gewechselt werden können.
Damit ab und an gelüftet werden kann, befreie ich die Fenster in der 1. Etage vom Schnee. Im Parterre buddle ich Fenster und Läden aus dem Schnee und schließe diese. Sonst findet der Schnee die letzte Luftritze und dringt so ins Haus ein.
An der Scheibe der Eingangstür wachsen Eis-Blumen trotz oder wegen einer Außentemperatur von -12°.
Immer noch keine Skitouren- oder SchneeschuhgängerInnen, die die Hütte besuchen. Nun schon der vierte 0-Gäste-Tag hintereinander. Wir üben uns in kreativem Nichtstun und in Nonsensgesprächen.
Wenn es mal nicht schneit, mache ich einen lawinensicheren Spaziergang in Hüttennähe.
Dabei ist es doch noch recht frisch …
Auf dem Rückweg erwische ich Hütte mal wieder in wunderbaren Lichtverhältnissen inkl. einer Bergdohle, die zur Sonne fliegt.


Immer noch eingeschneit. Immer noch keine Gäste. Verständlich und vernünftig bei Lawinenstufe 4.
Derweil vertreiben wir uns die Zeit und dichten uns mittels KI-Bildveränderung Pyjamas und Nachtkerzen an die Körper. Ein DigiSpaß.
Lichte Momente werden zum Wäschewaschen und -trocknen genutzt.
In dichter Wolkensuppe steige ich ab ins Tal, um einen Helikopterflug vorzubereiten.
Der Weg verliert sich im Nebelnichts. Selbst die Orientierungsstangen sind aus der Ferne nicht mehr zu sehen. Gut, dass es eine schwache Spur gibt und ich einen gpx-track habe. Eine Papierkarte nützt hier garnix.
Manchmal schauen Gipfel aus dem WolkenNebelMeer heraus.
Mit den Leuten von den „benachbarten“ Herbergen Albert-Heim-Hütte und Hotel Tiefenbach bereite ich die Helikopter-Ladungen vor.
Weil wir in den letzten Wochen nur wenig Lebensmittel und Getränke verbraucht haben, gibt es für uns nur eine Innenladung mit dem Notwendigsten.
Oben angekommen laden wir aus.
Pia und ich halten die Ladung fest, damit sie beim Start des Helikopters nicht wegfliegt.
Geschafft. Alles ist im Vorratskeller verstaut und wir genießen auf der Terrasse bei griechischem Salat die wärmende Mittagssonne.
Ein Monat geht einfach schnell vorbei. Es heißt mal wieder Abschied nehmen von der Rotondohütte. Inga geht mit hinunter ins Tal. Sie hat ein paar Tage frei und will die Zeit in Realp genießen.
Der Schnee ist harschig und die Sicht mäßig. Beides reicht uns, um gut abzusteigen.
Die Lappenübergabe an Sara erfolgt auf unserem Abstieg bzw. Saras Aufstieg. Sie ist ab heute die Dritte im Hüttenteam.
In Realp warte ich im sauberen, beheizten Warteraum auf den Zug, …
… der mich in ca. 8,5 Stunden über Andermatt, Göschenen und Basel nach Kassel bringt.
Gut, dass ich die Strecke nicht mit dem Auto fahren brauche. Entspannt lasse ich mich durch die Gegend nach Hause kutschieren.
































Früher ging man zur inneren Einkehr und Abstinenz von den weltlichen Verführungen ins Kloster. Klaus, du hast für dich auf der Rotondohütte auch eine Auszeit gefunden.
Hallo Günther,
danke für diese Sichtweise, meinen Aufenthalt auf der Rotondohütte als „Auszeit“ zu interpretieren. Bei den 0-Gäste-Tagen stimme ich damit überein. Andere Tage mit vielen Gästen sehe ich eher als Belastungsprobe und -training – die ich bisher gut absolviere.
Wieder ein toller Einblick in dein Schweizer Leben. Prima, Liebe Grüße Heidi 🤓
Danke, Heidi, für deine fortwährende Begleitung. Liebe Grüße zurück nach Lappland. Klaus.