Sappada

Wir sind wieder in einer deutschsprachigen Enklave gelandet. Sappada, oder auch Plodn genannt, ist vor ca. 1000!!! Jahren von wenigen deutschsprachigen (altbairisch) Sippen begründet und lange isoliert bewohnt worden. Dadurch hat sich hier eine ganz ursprüngliche deutsche Sprachform, das Plodnerische, erhalten. Es ist auch für uns gut verständlich.

Doch zurück zum Anfang unserer Tour:

Tag 0: 30. Juni:
Die Zug- und Busfahrt von Kassel nach Sankt Lorenzen gestaltet sich geschmeidig: nach 4maligem Umsteigen (München, Salzburg, Spittal/Millstädter See, Tassenbach) und 13 Stunden Fahrt steigen wir im schön gelegenen Sankt Lorenzen im Lesachtal aus dem Bus. Und dennoch sind wir von der Fahrt erschöpft. Nach einer kleinen Vesper und einem großen Bier schlafen wir in den Betten des Erlebnisbauernhofes Gruber ein.

Tag 1, 1. Juli:
Wie fast immer ist der Einstieg in die Bergwelt recht mühselig: ein Asphalt- und Schotterweghatscher führt uns von Sankt Lorenzen durch das Frohntal hinauf.

Bauernhaus im Frohntal

Regen und ein kleines Gewitter begleiten uns in der letzten Stunde  zum Hochweisssteinhaus. Unser Trainingstouren in den Mittelgebirgen zahlen sich aus: keine besondere Müdigkeit oder andere Zipperlein machen sich bemerkbar. Wir genießen den Nachmittag in und an der Hütte.

Dabei lernen wir Felix kennen. Er ist seit 12 Tagen auf der Via Alpina rot unterwegs und in Triest gestartet. Ein ziemlich rasantes Tempo legt er hin (siehe berserker.wordpress.com). Da wir die Strecke und Etappen von unserer letztjährigen Alpenwanderung kennen, können wir uns prima darüber austauschen. Ein sehr interessantes Gespräch, in dem wir auch viele andere Gemeinsamkeiten entdecken. Im September möchte er in Nizza ankommen.

Tag 2, 2.7.:
Das Wetter ist schön. Wir wollen heute mal draußen frühstücken. Daher packen wir unsere 27 Sachen und machen uns auf zum Ofner-Joch, wo unser Weg nach Italien abzweigt. Genau auf der Grenze im Windschatten eines Felses finden wir unseren Frühstücksplatz.

Adlerhorst: Rifugio Calvi


Über einen Höhenzug und einen Pass erreichen wir das Rifugio Calvi. Schon im letzten Jahr waren wir hier und werden von der Hüttenwirtin, die uns wiedererkennt freundlich begrüßt. Fast tut es uns leid, dass wir nach Cafe, Tee und Schokoladekuchen weiter wollen.

Ein kräftiger Abstieg führt uns zur Piave-Quelle, wo der normale italienische Tourismus (nah heranfahren, kurzer Spaziergang, lecker Essen und Trinken und in der Sonne aalen) praktiziert wird. Nach einer Mittagsvesper ziehen wir weiter. Ab jetzt laufen wir auf dem Dolomitenhöhenweg Nr. 6, dem Sentiero Silenzio.

Wir möchten noch den Lago d’Olbe erreichen und dort übernachten. Doch dazu sind nochmal fast 1000 Hm auf 6km Distanz zu überwinden. Durch Latschenkieferfelder geht es bergauf auf schmalen, schönen Pfaden. Zum Schluss erwarten uns Serpentinen auf einer Schotterhalde bis zum Passo Molda.

Lady C. im BlumenSchotterMeer

Nun noch hinab und wir werden belohnt mit einem wunderbar gelegenen See.

Lago d’Olbe, unser heutiges Ziel

Füße und Beine werden im See gekühlt. Das Abendessen (Nudeln mit Dörrgemüse, Oliven und Tomaten in Sahnesoße)  gibt es bei phantastischem Bergpanorama.

Mehr braucht es nicht.

Zeltplatz am Lago d’Olbe

Tag 3, 3.7.:
Schon um 5 Uhr wird es hell. Alles ist still um uns. Die ersten Blicke auf die Berge heute sind genauso beeindruckend wie die letzten gestern.

Lago d’Olbe

Das Frühstück wird wieder auf einem Aussichtplatz eingenommen. Zwei Murmeltiere machen es uns vor wie es geht. Sie haben jeden Sommertag diesen Genuss.

Murmelpaar


Unsere Vorräte gehen zur Neige. Daher machen wir uns auf nach Sappada. Es warten knappe 1000Hm Abstieg auf uns. Über schöne schmale Pfade, die unsere Konzentration testen, geht es auf nur 5,5 km hinab, zum Schluss an ausgedienten Skiliftanlagen vorbei, bis wir den Ort erreichen.

Es ist Sonntag. Alle Geschäfte sind zumindest am Nachmittag geschlossen, so dass wir unseren Einkauf auf Montagmorgen verschieben.

In den Abendstunden soll es regnen. Wir entscheiden uns für eine Hotelübernachtung, sind zunächst preisgeschockt und finden schließlich mit digitaler Unterstützung ein moderates Angebot. Wir fallen in einen gesegneten Mittagsschlaf und merken dabei, dass uns der Abstieg doch mehr Körner gekostet hat als wir angenommen haben.

Unsere Energiespeicher füllen wir am Abend mit einheimischer Kost auf.

Bergplatte: Polenta, Wurst, Pilze und Frico, eine hiesige Spezialität aus Käse, Kartoffeln und Zwiebeln.

Jetzt ist alles wieder aufgeladen, bis auf den Akku dieses mobiltels. Morgen geht es weiter zum Rifugio Gasperi.

2 Kommentare

  1. 4. Juli 2022
    Antworten

    Lieber Klaus, ich freu mich, dich virtuell zu begleiten. Du hast dich in all den Jahren zu einem Profi-Weitwanderer entwickelt und dein Blog ist ebenfalls 1A. Schön, dir auf diese Weise wieder zu begegnen. Herzliche Grüsse aus Züri

    • 4. Juli 2022
      Antworten

      Liebe Karin,
      ich freue mich von dir zu lesen. Und irgendwann werden wir uns auch mal wieder in echt treffen, was mich noch mehr freuen würde.

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