Soweit die Knie tragen …

Freitag, 20.08.:

Alles geht vorbei. Auch der gemeinsame Aufstieg mit der Wandergruppe zu den Drei Zinnen am nächsten Morgen.

Wir verabschieden uns herzlich von den Überraschten kurz vor der Drei-Zinnen-Hütte.

Hier fehlt noch das Gruppenbild.

Der Sentiero Italia (SI) soll in der nächsten Zeit unser Leitweg sein.

Wir begehen ihn in entgegengesetzter Richtung von Nord in Richtung Südost, um den Besuchermengen in den westlichen Dolomiten auszuweichen. Hauptsächlich führt dieser Abschnitt durch die Regionen Veneto und Friaul.

In seiner Gesamtlänge erstreckt sich der Sentiero Italia über 6000 km und man durchläuft dabei alle Landschaften Italiens.

Auf ihn aufmerksam geworden bin ich durch eine Video-Serie einer Gruppe junger lebens- und wanderfreudiger Italiener/innen, die den Weg in 2 Jahren komplett gelaufen sind und ihn dabei super dokumentiert haben: vasentiero.org.

Eine weitere ergänzende Quelle für gpx-tracks des SI habe ich bei traildino gefunden.

Unser weiterer Weg führt uns auf dem SI …

… vorbei an grandioser Bergkulisse …

… in Richtung Osten zunächst zum Rifugio Cengia.

Die Hütte ist ein Kleinod in phantastischer Umgebung.

Der erste Weltkrieg hat hier Spuren hinterlassen, die heute noch in Form von Geschützstellungen, Militärwegen und Stacheldraht zu sehen sind. Völlig unsinnig sind hier Italiener und Österreicher erfroren, verhungert und haben sich gegenseitig getötet. Menschen.

Ungeachtet dessen bleibt die Landschaft weitgehend unversehrt und wunderbar.

Wir steigen weiter ab. Cornelia schwächelt wegen einer aufkommenden Erkältung. An der Zigmondyhütte unter dem Zwölferkofel fragen wir spontan und erfolgreich nach einem Nachtlager.

Auch diese Berghütte liegt wunderbar in einem Hochtalkessel umgeben von majestätischen Felswänden und Gipfeln. Der Zwölferkofel ragt unter ihnen besonders heraus.

Ein entspannter Abend und frühes Schlafengehen sollen dafür sorgen, dass sich Lady C. schnell wieder erholt.

Samstag, 21.08.:

Von der Zigmondyhütte geht es über einen recht steilen Bergpfad hinab ins Fischleintal.

Ein letzter Blick zurück.

Es ist August, es ist Samstag, es ist Italien: Hunderte Menschen begegnen uns beim Abstieg. Die Begrüßungsformeln wechseln von ‚Buongiorno‘, ‚Salve‘, ‚Bondi‘ über ‚Morgen‘, ‚Hallo‘ bis zu nichts (eher selten).

Gleich geht es wieder steil und weniger gedrängt hinauf, um am Fuß des Elferkofel an einer „Gaudi-Alm“ zu landen, die von picknickenden Menschen umlagert ist. Nicht unser Ding. Weiter.

Allmählich machen wir uns Gedanken, wo und wie wir übernachten wollen. Eine erste OnlineRecherche ergibt so gut wie keine Treffer oder die Preise ähneln mehr einem Investment-Angebot als dem Preis für eine Übernachtung in einem Zimmer.

Also weiterlaufen zum Rifugio Rinfreddo, das noch ein paar Höhenmeter, Kilometer und somit Stunden entfernt ist.

Ziemlich ausgelaugt treffen wir vorab einen Mitarbeiter der Hütte und wir werden über den Zustand der Hütte informiert: Obwohl die Möglichkeit gegeben wäre, werden keine Übernachtungen angeboten und außerdem werden zu dieser späten Stunde (19 Uhr) kein Essen und keine Getränke mehr verkauft.

Er könne uns aber einen Platz für unser Zelt anbieten und etwas Käse und Schinken aus der Küche besorgen. Gesagt, getan.

Nach einem bisschen WarmingUp mit der Hüttenwirtin bekommen wir sogar noch Rotwein und eine Gerstelsuppe. Etwas gewaschen und zufrieden, dass wir überhaupt einen Schlafplatz gefunden haben, machen wir es uns im Zelt so gut es geht bequem zum Schlaf.

Sonntag, 22.08.:

Es ist feuchtkühl. Beim Zusammenpacken schaue ich immer wieder fasziniert auf die Sextener Dolomitengruppe und ihre verschiedenen Farben beim Sonnenaufgang.

Nach einem spendierten Cappuccino von einer uns wohlgesonnenen Hüttenwirtin machen wir uns auf den Weg. Nur wohin? Unsere Zieladresse für heute, Malga Dignes, hat keine Plätze mehr frei. Und nach einem Telefonat mit einem Albergo, das in der Nähe unseres Höhenweges liegt (ausgebucht), wird klar, dass wir heute ins Tal absteigen müssen, unter anderem auch weil wir so gut wie nichts mehr zu essen im Rucksack haben. Zähneknirschend steigen wir auf Almzufahrten ca. 3 Stunden bergab.

Mit viel Glück finden wir online eine erschwingliche, prima Unterkunft im Albergo Vittoria in Campolongo. Kurz nach unserer Ankunft beginnt der für den Nachmittag angekündigte Regen und zwar in solchen Mengen, dass wir heilfroh sind, uns das Spektakel aus einem trockenen Zimmer anzusehen …

… und zum Abendessen ein echt italienisches Bier zu trinken.

2 Kommentare

  1. Anni, Kastri und Flora
    25. August 2021
    Antworten

    Toll! Macht weiter so! Wir denken an euch. Die drei Kölner

  2. Volker Hildebrand
    30. August 2021
    Antworten

    Das Gruppenfoto steuere ich gerne bei! Wohin soll ich es schicken?

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