Tour del Granero

Tag 45: Samstag, 9. August 2025:

Raus aus dem dem Wandertourismusrummel geht es mit dem GratuitBus zurück nach Le Roux.

Der GR58 ist auch gleichzeitig ein Stück des Jakobsweges, der Via Alpina blau und des Waldenserweges.

Kaum zweigen wir vom GR58 ab, wird es leerer. Zeit, um Moose an Lärchen zu betrachten.

Sieht fast wie eine Koralle aus.

Der Col d’Urine (2525 Hm) liegt vor uns. Moderat geht hinauf.

Wir beobachten eine große Schafherde, die einen anderen, steileren Pass, erklimmen muss (des Schäfers Wille). Anscheinend ist einem dieser Schafe etwas passiert, …

… das mindestens 50 Gänsegeier auf den Plan ruft.

Sie kreisen und landen bei dem toten/verendenden Schaf. Auf der Ferne können wir ein Hauen und Stechen vermuten. Leider reicht der Zoom der Kamera nicht aus.

Wir waren Zuschauer eines für uns harten, und gleichzeitig natürlichen Vorgangs.

Der Col d’Urine ist unscheinbar. Doch reduziert sich die Anzahl der französischen Wandernden um ca. 95%. Italienische Wandernde gibt es nicht hier oben.

Herzlich werden wir begrüßt und machen Pause.

Die wilde Schönheit Italiens hat uns wieder. Es gibt mehr Wildblumen, weil weniger Viehwirtschaft …

… und ich lerne die Schönheit, alternder Blumen schätzen.

Hier zwei energiegeladene Franzosen, die ihre MTBs durch Hitze über italienisch-ruppige Pfade zum Col tragen, in der Hoffnung, dass sie auf der anderen Seiten ein paar Strecken fahren können. Viel Glück.

Schmetterlingsschönheit braucht keine Worte.

Rückblick zum Col d’Urine, nach erledigten Abstieg.

Wir steigen noch weiter in ein Hochtal, durch das der ausgetrocknete Torrente Pellice fließt. Es ist alles total trocken hier.

Das Rifugio Willy Jervis, ein beliebtes Ausflugsziel, besonders am Wochenende, ist unsere Herberge. Trotz vieler Gäste herrscht eine lockere Atmosphäre.

Die leichte Schraddeligkeit gibt dem Ganzen eine Retro-Patina, in der wir uns wohlfühlen.

Da das Rifugio auch Etappenziel der GTA ist, wurde wohl in den letzten Jahren ein Nebengebäude mit weiteren Schlafplätzen, Sanitäreinrichtungen und …

… einer Innenboulderwand errichtet. Alles tiptop!

Tag 45: Le Roux (F) – Rifugio Willy Jervis: 12,4 km – / 993 Hm – \ 1010 Hm


Tag 46: Sonntag, 10. August 2025:

Ein ungewöhnlich vielfältiges Frühstück, inkl. Obst! läutet den Sonntag im Rifugio Willy Jervis ein. Gestärkt machen wir uns los auf einem Almzufahrtsweg bis zum Ende der Hochebene.

Ab hier geht es schattig aber knackig bergan durch das Tal der Steine. Versehentlich geraten wir auf den gut präparierten ‚Percorso MTB‘. Unsere Sorgen verfliegen, als wir merken, das der Aufstieg zur Hütte nur das MTB tragend bewältigt werden könnte, so dass die Wahrscheinlichkeit eines herabfahrenden (besser gesagt: herabstürzenden) MTB-Fahrenden gegen Null tendiert. 

Bei der Anlage des Trails inkl. der vielen Fahrradständer am Rifugio hat sich der CAI Pellice wohl mehr Interesse an der Nutzung des Trails erwartet, die aus verständlichen Gründen ausbleibt.

Ich bin immer wieder fasziniert vom pflanzlichen Lebenswillen, der jede Felsritze für Wachstum und Fortpflanzung nutzt.

Ein Überrest eines im zweiten Weltkrieg hier abgestürzten Flugzeuges liegt verwitternd am Wegesrand.

Die heutige Strecke ist kurz.  Lady C. steuert auf das zur Hütte zugehörige Bivacco zu.

Weil ich in der letzten Nacht schlecht geschlafen habe, bin ich heute etwas träge und froh, das wir am Mittag schon das sehr gepflegte Rifugio Granero erreichen.

Ein ‚Lazy Sunday Afternoon‘ schließt sich für mich an. Mittagessen!, Nickerchen, daddeln und beobachten.

Eine bereits bekannte aber nochmals bestätigte Beobachtung: Zur Mittagszeit bis zum Nachmittag füllt sich die Hütte und deren Umgebung mit italienischen Tagesgästen, die aus dem Tal hier heraufkommen. Es wird gegessen, getrunken, gespielt, gelacht, geschlafen und sich unterhalten. Gegen 17 Uhr sind fast alle wieder bergab verschwunden. Danach trudeln die französischen großen Wandergruppen, Familien, Paare und Einzelgäste zum Abendessen und zur Übernachtung ein. Es geht ruhiger und reservierter zu. Es ist, als würden – zeitverschoben – zwei verschiedene Welten im Rifugio existieren, die sich nur sehr wenig überschneiden. Wir genießen die gepflegte Gastlichkeit des Rifugios, und lernen ein sehr angenehmes Paar aus Lyon kennen.

Tag 46: Rifugio Willy Jervis – Rifugio Granero: 6,0 km – / 708 Hm – \ 64 Hm

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