Trentino I

Tag 12, 12.7.:

Nicht jeder Tag ist mit Hochlichtern versehen. Aber genau diese Tage braucht es, um die Hochlichter als solche wahrzunehmen. 
Berggruppen sind mit Tälern voneinander getrennt, bzw. miteinander verbunden. Um die Berggruppen zu durchwandern müssen wir auch die Täler durchlaufen …

Wir machen uns vom Rifugio Fedare auf, um vom Cadore ins Trentino zu kommen.

Mit kontinuierlicher Steigung geht es auf einem alten Eselsweg durch bunte Wiesen. Oben dann bekommen wir die Marmolata in der Ferme zu sehen.

Nach einen RollingStones-Abstieg passieren wir das gute erhaltene Castello Andraz.

Castello Andraz

Wir durchqueren einen heftigen Windbruch. Zwischen dem BäumeMikado entsteht  Neues, vielleicht langfristig Haltbareres.

Vor kurzen ist dankenswerterweise der Weg mit großem Aufwand freigeschnitten worden, bis auf einige Ausnahmen.

Nochmal ein Blick auf die beeindruckende Civetta.

Drei letzte steile Asphaltkilometer bringen uns nach Pieve di Livinallongo.

Das Albergo Pieve hat seine Dienste getan. Schade. Wir kommen nur noch in einem gehobenen Hotel mit gehobenen Service und gehobenen Preisen unter.

Auf der Terrasse dürfen wir am Abend beim Vollmondaufgang dabei sein. Wir fühlen uns klein und beschenkt.

Tag 13, 13.7.:

Nach einem wirklich vielfältigen, gehobenen Hotelfrühstück (Obstsalat, Marmorkuchen, Rosinenschnecken, Schokocrnetti, Joghurt, Müsli, Rührei, Schinken, Wurst und Käse, Brot, Marmelade, Nutella) machen wir uns von Pieve di Livinallongo auf unseren asphaltieren Weg, der uns nochmals 300Hm tiefer in ein enges Tal bringt.

Die an den Steilhängen klebenden Höfe existieren bereits seit ca. 1000 Jahren. Die Kirche siedelte damals in dieser Gegend Menschen an. Diese bearbeiteten das Land und durften dafür der Kirche NaturalTribut geben und Lehensarbeit leisten.

Die offizielle Route der Via Alpina ‚gelb‘ führt steil durch einen Wald. Wegen umgestürzte Bäume ist nach ca. 20 Minuten kein Durchkommen mehr.

Wir kehren um und finden nach ein paar Serpentinen in Sottinghiazza eine gute Umgehung.

Immer häufiger sehen wir großflächige Waldschäden, deren Ursache wahrscheinlich der Klimawandel ist und dessen Ursache das zu stark ressourcenverzehrende Verhalten von uns Menschen ist.

Es wird ein enormer Aufwand betrieben, um abgerutschte Steilhänge wieder zu stabilisieren. Das dies nur begrenzt lange halten wird, steht eigentlich jetzt schon fest.

Auf dem Weg zum Rifugio Padon habe ich in Richtung Nord-Ost eine Aussicht auf schnee- und eisbedeckte Berge. Meine Vermutung ist, dass dies die Hohen Tauern sind. Wird zu Hause recherchiert.

Über Arnikawiesen …

… und Skipisten …

… geht es zum Rifugio Padon, das eine phantastische Aussicht auf die Marmolata bietet und gleichzeitig eine RemmiDemmiBude mit ‚Anton aus Tirol‘ ist.

Aus respektvoller Entfernung und doch sehr nah erblicken wir die Marmolata mit ihrem Gletscher, der in den letzten Jahrzehnten massiv abgeschmolzen ist.

Ein Höhenweg lässt es zu, immer mal wieder einen Blick auf die Marmolata zu werfen. Auch wir suchen die Stelle des Gletscherbruchs, der elf Bergsteigende am Sonntag vor unserer Abreise in den Tod gerissen hat.

Erst um 20 Uhr erreichen wir das Rifugio Marmolada.

Zunächst überraschen uns die vielen Gäste. Nachdem wir rausbebekommen haben, dass sowohl der Dolomitenhöhenweg Nr.2 und der ‚Traumpfad‘ München-Venedig die Hütte als Etappenziel angeben, können wir uns den Füllstand erklären.

Eine Nacht im vollen Massenlager steht uns bevor. Lange nicht mehr erlebt.

Tag 14, 14.7..:
Im Dormitori des Rifugio Marmolada konnte kein Fenster geöffnet werden  so dass es am Morgen recht stickig war.

Kaum wach, fliehen wir mit unserem Geraffel nach draußen. Hier packen wir flott und machen uns auf den den einfachen Weg hinunter nach Penia, einem echten Ferien- und Wintersportort, an dem wir auf gut gepflegtem Waldweg vorbeiflanieren. Hier werden wir auf spielerische Weise über die Wassermengen pro Monat in den Alpen aufgeklärt.

Im Anstieg zum Rifugio Contrin können wir die Hotelansammlung von Canazei inkl. angeschlossenem Skigebiet erfassen. Was passiert hier, wenn der Schnee in Zukunft von Jahr zu Jahr immer weniger wird?

Das Rifugio Contrin erreichen wir am frühen Nachmittag. Für die weitere Teiletappe schätze ich nochmals sechs Stunden, was wiederum eine abendliche Ankunft bedeutet.

Wir entscheiden uns fürs Bleiben, Wäschewaschen, Nickerchenmachen und Blog auffrischen. Die Hütte ist normalerweise Ausgangspunkt für Touren auf die Marmolata. Wegen der aktuellen Gletschersperrung nächtigen nur wenige Menschen hier.

Zum Abend hin lernen wir Hanna und Josef kennen, die auch mit Zelt und Kocher für eine Woche durch die Berge strawanzen. Ich freue mich über ihre An- und schon in jungen Jahren vorhandenen Einsichten.

Tag 15, 15.7.:
Ein puristisches italienisches Frühstück …

… bringt uns in Schwung, um die erste Steigung (680Hm) bis zum Passo … hinter uns zu bringen.

Tolle Rückblicke sind dabei garantiert.

Am Pass geraten wir in eine Steinwüste, die im Ersten Weltkrieg umkämpft war.

Überreste sind noch zu sehen.

Erkenntnis: Konservendosen sind nach 106 Jahren immer noch nicht verrottet.

Wie im Leben folgt nach einem steilen Aufstieg ein passend steiler Abstieg.

Auf einem Hatscher geht es zum Passo San Pellegrino, weiter über eine Skipiste …und eine GranitHochebene zum Passo Valles.Kurzfristig konnten wir noch ein Zimmer im Rfugio Passo Valles ergattern.

Eigentlich ist es ein Gasthaus. Beim Abendessen kommen wir mit einer kanadischen Familie (MVK) ins Gespräch und tauschen kulturelle Eigenheiten aus. Und dann ist auch schon wieder Bettzeit.

Tag 16, 16.7.:Wir haben Zeit heute. Unser Frühstück fällt daher länger und größer aus. Mit vollem Bauch und immer leerer werdendem Rucksack machen wir uns auf vom Rifugio zur Forcella Valles.

Es erwartet uns der grandiose Blick auf die Palagruppe.

Sie wird uns heute lang begleiten.

Wir kommen in den Parco Naturale San Martino di Castrozza und geraten auf einen Wander- und EBike-Highway mit knallbunter italienischer Wochenendstimmung.

Der Sentiero zweigt jedoch schnell ab und führt uns auf eine nicht markierte Strecke, die eher ein Kuhtrampelpfad als ein Weg ist. Das ist auch der Grund, warum wir hier ganz alle allein unterwegs sind.

Den kompletten Gegensatz dazu erfahren wir am Passo Rolle. Spaziergehende, Wohnmobile, gefüllte Parkplätze und EBiker füllen das Gelände.

Doch schon einige 100 Meter nach dem Pass herrscht schon wieder Stille. Der Weg zum Lago Colbricon ist ein schöner Waldweg und führt uns zum gleichnamigen Refugio.

Unsere Hoffnung hier übernachten zu können, erfüllt sich leider nicht. Auch ist die Küche schon zu. Wir bekommen jedoch zwei gute Tipps. Zum einen können wir an der Bergstation des Colbricon-Express übernachten und zum anderen sind wohl die Lebensmittelläden am Sonntagvormittag in San Martino geöffnet.

An der Bergstation dürfen wir nochmal die Cima Pala bewundern.

planen wir unseren morgigen Großeinkauf bei heftigem Gewitter und Donnergrollen bevor wir uns in die Quilts einrollen.

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