Tag 57: Donnerstag, 21. August 2025:
Das italienische Frühstück im Rifugio Gardetta ist farbenfroh und hält schlank.
Heute gehen wir ein Stück zurück, verlassen die Percorsi Occitani, um auf unsere angepasste Tour um den Chambeyron zu wechseln. Sie verläuft hauptsächlich im Talschluss des Val Maira und wechselt manchmal nach Frankreich.
Denselben Weg zurück zu laufen ist genauso wie einen neuen zu laufen. Die Sicht ist komplett anders. Es herrscht noch Morgenstimmung.
Wir kommen an einem ‚Genepy-Feld‘ vorbei.
Natürlich wird die Ährige Edelraute angebaut und für die Herstellung des Kräuterlikörs Genepy genutzt.
Zügig geht es danach bergauf zum Col d’Enchiausa (2719 Hm).
Zum Ende hin wird es steil und schottrig.
Zwei italienische Jugendgruppen, mit allem ausgerüstet, haben auf diesem rutschigen Schotter ihre Schwierigkeiten.
Auf der anderen Seite des Passes: Steinwüste.
Der Weg besteht aus einer wasserdurchlässigen Decke mit gemischter Körnung zwischen 10 und 40 – Zentimeter!
Lady C. ist mal wieder in Casper-David-Friedrich-Position.
Das Bivacco Bonelli (2319 Hm) ist in Sicht. Die Wolkendecke verdichtet und -dunkelt sich.
Gerade rechtzeitig vor dem Regen erreichen wird das Trockene. Mit drei jungen Menschen aus Frankreich räumen wir erstmal auf, damit wir uns wohlfühlen. Das Interior ist schon etwas in die Jahre gekommen.
Noch ein vierter Franzose kommt später hlnzu. Die Gemeinschaft auf Zeit ruckelt sich zusammen.
Deutsch-französicher Austausch in Englisch auf italienischem Boden. Vive l’Europe! Der Abend wird mit Kochen ein- und mit Schlafengehen ausgeleitet.
Tag 57: Rifugio Gardetta – Bivacco Bonelli: 12,4 km – / 1010 Hm – \ 1025 Hm
Tag 58: Freitag: 22. August 2025:
Der Morgen wird langsam in Sonnenlicht geflutet. Es ist frisch.
Lady C. genießt ihren von Klausing Sherpa zubereiteten Kaffee in der Morgensonne.
Wir ziehen weiter durch weite Hochebenen zur französischen Grenze, ganz in die Nähe unserer letztjährigen Tour durchs Ubaye in Frankreich.
Bei einem Abzweig treffen wir auf die harte Realität der Schafe, des Schäfers und der Geier.
Der ständige Verfall der Alpen begegnet uns überall.
Der Col de Portiolette (2686 Hm) erscheint aus der Ferne schwieriger …
… als aus der Nähe.
Auch der Abstieg ist einfach, aber ruppig.
Nach insgesamt vier Pässen sehen wir am Pas de la Couletta (2748 Hm) endlich das Refuge Chambeyron am Lac Premier.
Auf 2626 Hm, direkt unter dem Brec Chambeyron (3389 Hm) gelegen, bietet das Refuge beste Bedingungen für Besteigungen und Übergänge aller Art.
Leider ist die Infrastruktur sehr in die Jahre gekommen – und die Gastlichkeit mit ihr. Als elementare Versorgungsstation ist das Refuge gerade noch geeignet.
Wir haben Glück. Die Hütte ist ausgebucht und wir dürfen unser Zelt in der Nähe aufstellen.
Nachdem wir uns durch den übervollen Eingangsbereich durchgewuselt haben …
… ist eine abendliche Kalorienaufnahme in den Räumen der Hütte möglich. Wir werden satt und bleiben warm. Nicht weniger – aber auch nicht mehr.
Tag 58: Bivacco Bonelli – Refuge Chambeyron: 16,2 km – / 1240 Hm – \ 950 Hm
Tag 59: Samstag; 23. August 2025:
Die Nacht im Zelt war frisch aber noch ausreichend warm und etwas klamm.
Am Morgen hat es kleine Eisplättchen auf der Außenhaut des Zeltes.
Wir freuen uns auf die Wärme des Refuge und einen heißen Kaffee. Dieser ist dann doch lediglich warm und das restliche Frühstück auf das Wesentliche reduziert.
Heute hat Lady C. der Gipfelwille gepackt. Sie möchte mal einen 3000er besteigen. Die Tête de la Frema (3151 Hm), am Wegesrand gelegen, scheint gut geeignet, weil der Gipfel ohne jegliche Steighilfe erwanderbar ist.
Am Colle di Gippiera (2931 Hm) deponieren wir unsere Rucksäcke im Geröll.
Der Weg hinauf ist gut erkennbar und für Lady C. manchmal etwas luftig. Die Aussicht wird Schritt für Schritt großartiger. Blick auf den Lago Vallonasso mit Bivacco Berenghi.
Oben angekommen ist die Aussicht irgendwie endlos.
Lady C. macht es sich gemütlich – oder möchte hier doch lieber nicht stehen, weil es zwei Meter hinter ihr ziemlich senkrecht hinuntergeht.
Am Pass gibt es noch einen Rückblick auf den kleinen 3000er-Abstecher.
Am Bivacco Berenghi (2828 Hm) machen wir uns ein zweites Frühstück mit Tee und Kaffee.
Lange geht es gemächlich abwärts durch das Vallonasse di Stroppia. Italien hat uns wieder.
Am Rufugio Stroppia, eigentlich ein Bivacco, habe ich schonmal in 2017 im Zelt übernachtet.
Dann noch einmal auf einem von italienischen Soldaten in die Wand gehauenen, ausgesetzten Steig steil hinunter bis ins hintere Valle Maira.
Unsere Rundtour um den Chambeyron mit Ausflug in das Ubaye beenden wir auf dem Campingplatz des Campo Base.

Wir freuen uns über die Gastfreundlichkeit und gute Atmosphäre dieses Platzes, kochen unsere Vorräte und schlafen prima – auch ohne Eis auf dem Zelt.
Das ‚Alta Valle Maira‘ bietet, ausgehend vom Campo Base, noch so einige Bergwanderungen, die sich ‚lohnen‘. Vielleicht kommen wir wieder, wenn Energie und Gesundheit es zulassen.
Tag 59: Refuge Chambeyron – Campo Base: 13,7 km – / 613 Hm – \ 1588 Hm
Tag 60: Sonntag, 24. August 2025:
Was im Alltag Standard ist fällt uns hier enorm auf: Wir laufen den gleichen Weg zweimal. Es geht mal wieder nach Chialvetta und gern kehren wir wieder in die Osteria della Gardetta ein.
Auf dem Weg dorthin bleibt uns Zeit und Muße für Details, wie z.B. diese große, rote, satte Hagebutte …
… oder diese Herde von Eseln, die wahrscheinlich für die Salamiproduktion großgezogen werden.
Unsere Tour Chambeyron ist beendet. Die letzten Wandertage unserer diesjährigen Alpenwanderung beginnen …
Tag 60: Campo Base – Chialvetta: 14,1 km – / 718 Hm – \ 874 Hm








































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