Tag 14: Passo del Giove – Rifugio Cascin Miera
Dankbar über die etwas eigenwillige Unterkunft, die uns sehr hilfsbereit angeboten wurde, verlassen wir diese am Morgen.
Ich lerne Italienisch anhand der Vielzahl der Schilder, mit denen die Bäume im Wald bepflastert werden.
Dieses Schild macht aufmerksam auf eine ‚Hasen-Verwaltungseinheit‘ – was immer das sein mag. Alle 100 Meter gibt es entlang des Weges ein solches Schild. In mir kommt die Vermutung auf, dass es zwischen Forstverwaltung und Schilderproduktionsstätten besonders enge Verbindungen geben könnte.
Auch Waldanstiege fordern manchmal heraus – aber meist nur kurz.
Diesen Käfer haben wir vorher noch nie gesehen. Hier tritt er gehäuft auf: der Ölkäfer.
Er kann aus seinen Gelenken ein sehr giftiges Sekret aussondern, was bei Menschen auf der Haut Blasen und Entzündungen verursacht und oral aufgenommen zum Tode führen kann.
Häufig laufen wir durch grüne Tunnel …
… die manchmal Sicht auf Windkraftanlagen erlauben.
Der Sentiero Italia hat hier gelitten. Schmale Waldwege sind zu breiten, harten Schotterstraßen erweitert worden, damit die Windräder hier aufgestellt, gewartet und irgendwann wieder abgebaut werden können.
Alte Bausubstanz, die nicht mehr benötigt wird, holen sich Pflanzen und Tiere wieder zurück.
Ab hier schreibe ich: Lady C.
Klaus hat das Refugio Cascin Miera telefonisch gebucht. Es ist zu bei unserer Ankunft.
Wir warten eine kleine Weile, dann kommt Marino, etwa 65J., Bergmensch, praktisch, geradlinig und schnell. Er serviert abends das bislang beste Essen ( Lasagne al Pesto con noce, Vitello con peperoni al olio, große Stücke selbst gemachtes Tiramisu! ) und heizt gut ein. Wir sind die einzigen Gäste.
Tag 14: 15,3 km – / 426 Hm – \ 797 Hm
Tag 15: Rifugio Cascin Miera – Altare
Marinos Frühstückscafe macht richtig wach.
Wieder geht es heute durch Wald. Dabei liegen viele Hohlwege auf unserem Weg.
Sie ermöglichen den Einblick in das kräftige und verzweigte Wurzelwerk der alten Buchen.
Von einem der vielen kleine Monti versuchen wir mal wieder den alpinen Teil der Ligurischen Alpen zu erahnen.
Wir treffen auf eine 2003 stillgelegte Seilbahnanlage mit Loren. In diesen wurde importierte Kohle von Savona weit ins Hinterland befördert um hier ein Kraftwerk zu füttern zum Herstellen von Strom und Wärme für die Menschen in der Umgebung.
Ob das Strom- und Heizkraftwerk noch aktiv ist, wissen wir nicht.
Dieser Stein markiert den Übergang zwischen Ligurischem Appennin und Ligurischen Alpen.
Wir freuen uns über das erreichte Zwischenziel. Von nun an wird es etwas höher hinaus gehen.
Wir kommen in Altare an. Am Hang erobert die Natur ein ehemals wohl richtig prunkvolles Wohngebäude.
Tag 15: 17 km – / 433 Hm – \ 842 Hm
Tag 16: Altare – Rifugio Pian dei Corsi
Hier stehe ich und gucke auf die schneebedeckten Berge (Alpi Marittime? Mercantour?) in der Ferne.
Jetzt geht es in Wasserrinnen wacklig bergab.
Manchmal gibt der dichte Wald Weitsichten frei. Wir schauen auf Savona.
Dies ist ein ehemaliges Natoquartier, jetzt ist es ein Startpunkt für viele Mountainbiketouren in dieser Gegend.
Mittlerweile qualmen meine Füße. Oberhalb von Finale Ligure laufen wir stundenlang durch Wald mit steinhart gefahrenem (MTB) Boden. Das ist furchtbar ermüdend, zumal ich ganz genau weiß wie wohltuend kühle Wälder mit unterschiedlichen Böden sein können!
Wenige Meter vor dem Ziel, es ist nicht zu sehen, kann ich nicht mehr weiter. Klaus lässt entnervt seinen Rucksack fallen und sagt, er baue jetzt hier das Zelt auf. Wir haben kein Wasser! Klar laufen wir weiter zur Gärtnerei (220 Meter) und ich erhole mich abends und nachts komplett. Jetzt, in der Rückschau, kann Klaus sagen auch er habe geschwächelt, er hustete und schwitzte.
Ab Juni wird in diesem Gärtnereihaus für Biker und Wandernde gekocht.
Ein Zeltplatz steht zur Verfügung. Es ist niemand da, per WhatsApp erhalten wir die Erlaubnis zu zelten gegen Spende.
Tag 16: 18,8 km – / 1044 Hm – \ 603 Hm
Tag 17: Rifugio Pian dei Corsi – Colle dei Melogno
Immer wieder haben wir Ausblicke auf die italienische Riviera. Wenigstens können wir sie erahnen.
Auf dem Weg zum Colle dei Melogno gehen wir auch Strasse, die Sonne scheint, Schatten ist angenehm.
Am Colle del Melogno (1028 Hm) kommt ein Mountainbiketransporter, incl. der Biker natürlich, nach dem anderen an. Von hier aus starten die Radler dann in den Wald und fahren mehr oder weniger steil hinunter nach Finale Ligure. Bei diesen Mengen an Radfahrfans ergibt sich daraus oberhalb von Finale Ligure eine Schneise geschundenen Waldes. Das einzig Gute daran ist, dass die Radfahrleidenschaft sich auf eben diese Schneise konzentriert.
Wir haben in Garessio für 3 Nächte die Locanda Ponte Rosa gebucht zum Erholen, Auffrischen, Futtern.
Wir wollen die nächsten 10 km nicht Strasse laufen und sind deshalb glücklich als ein Bus planmäßig erscheint und uns mitnimmt nach Calizzano, Endstation. Wir gehen davon aus, dort umsteigen zu können in einen Bus nach Garessio, unserem heutigen Ziel.
Oh nein, es gibt keinen Bus nach Garessio. Trampen klappt auch nicht, weil fast kein Auto nach Garessio fährt. Wir wählen eine andere Strategie: Vor einem kleinen „prodotti tipici“-Laden am Marktplatz sitzen drei ältere Männer, die mit Sicherheit hier alles und jeden kennen und denen keine Aufgabe zu schwer ist. Wir tragen unseren Wunsch vor. Schon beginnt heftiges Palaver. Einer telefoniert und kurz darauf kommt ein ebenso alter Mann mit einem Jeep und fährt uns für 50€ (guter Preis für 40 Minuten einfache Fahrt über ein sehr haarnadelige Passstraße) bis vor unsere Unterkunft. Echt Glück gehabt!
Heute Abend essen wir in unserem Quartier, der Locanda Ponte Rosa.
Klaus wird kränker und bekommt Fieber. Morgen kaufen wir Hustensaft und weitere Ibuprofen.
Tag 17: 7,1 km – / 340 Hm – \ 180 Hm
Tage 18 und 19: Pausentage und Ende in Garessio
Trotz Ruhe und Medizin verbessert sich Klaus Zustand nicht.
Wir beschließen daher, hier an diesem wirklich schönen Ort Garessio unsere Tour vorzeitig zu beenden und Montag zunächst mit dem Bus nach Ceva. Sehr schade, aber wer weiß schon, wozu das gut ist. Wahrscheinlich kommen wir im Herbst hierher zurück, um den Ligurischen Teil des Sentiero Italia zu komplettieren.
Von Ceva fahren wir mit dem Zug nach Mailand, um dort zu übernachten und am Folgetag zurück nach Kassel zu reisen.
Doch zuvor machen wir noch einen Abstecher mit einer alten Mailänder Straßenbahn (innen fürs Bezahlen ganz auf digital umgestellt) zur Mailänder Skala.
Eins von Lady C.s Septembervorhaben ist es, eine Aufführung in diesem weltberühmten Opernhaus zu besuchen. Für mich sieht es von Außen unscheinbar aus, das Innen soll sehr beeindruckend sein.
Von Außen eher beeindruckend ist da der Mailänder Hauptbahnhof. Er steht auf dem Boden eines mehrschichtigen Stadtsystems, das mindestens bis ins Mittelalter zurückreicht.

Unsere Reise geht weiter … zurück nach Hause … Ciao Italia … bis hoffentlich im Juli und/oder Oktober wieder.
Bisherige Zusammenfassung:
In Ligurien scheint das Wandern nicht stark verbreitet. Uns sind lediglich 9 Weitwandernde in 17 Tagen begegnet. Hunde, die ihre Versorgenden ausführen, haben wir nicht mitgezählt. Die gabs auch nur in der Nähe von Orten – und selbst die waren selten.
Im Mai sind viele Übernachtungsmöglichkeiten noch nicht geöffnet. Aber das wussten wir schon vorher.
Die Gegend ist riesig naturnah-waldreich, nutzbare Quellen gibt es leider selten, da sie in den Steilhängen nicht zugänglich sind.
Focaccia ist in Ligurien die Hauptbrotsorte: ölig und salzig. Am Anfang fanden wir es lecker, zum Ende hin haben wir uns daran gewöhnt.
Soviele Schilder im Wald wie in Ligurien haben wir bislang in keinem anderen Wald gesehen (Jagdverbot, Hasenverwaltung, Pilzsammelverbot, Wolfswarnung, Angelverbot) – und die Ausbreitung der Wälder – und damit auch der Schilder – ist riesig.
Der Wanderweg Alta Via dei Monti Liguri ist manchmal sehr ruppig und gleichzeitig gut markiert, so dass kein Zweifel aufkommt, dass dies der richtige ‚Weg‘ ist. Andere Wegmarkierungen sind eher in Zweifel zu ziehen. Die sind wohl manchmal auf den guten Willen örtlicher Wandervereine zurückzuführen. Doch werden viele selten benutzt bzw. nachgepflegt und zack ist der einstmals freigelegte, gut markierte Wanderweg wieder zugewachsen.
Unsere bisherigen Etappen auf den Sentiero Italia durch Ligurien.
p.s.: Nachträglich weiß ich, dass es genau richtig war, die Wanderung in Garessio zu beenden und flott nach Hause zu fahren. Diagnose: Lungenentzündung aufgrund von Legionelleninhalation. Mehrtägiger Krankenhausaufenthalt. Jetzt schließt sich eine wahrscheinlich lange Phase der Genesung zu Hause an.

































Sehr schade! Aber so ist es manchmal.
Auf jeden Fall wünsche ich eine baldige Genesung und freue mich auf den nächsten Tourbericht.
Ciao Jörg, danke für die Genungswünsche. Im Moment steht im Vordergrund, irgendwie nach Hause zu kommen. Dabei helfen Lady C., Ibuprofen, Paracetamol und Ricola. Übrigens: es gab auch keine Wahl. Mit dem Rucksack würde ich derzeit keine 100 Hm hinkriegen.
Wie schade, aber die Gesundheit geht vor und es ist vernünftig die Tour zu beenden.Gute Besserung und Genesung!!! Almut
Ciao Almut, danke für die Genungswünsche. Im Moment steht im Vordergrund, irgendwie nach Hause zu kommen. Dabei helfen Lady C., Ibuprofen, Paracetamol und Ricola. Übrigens: es gab auch keine Wahl. Mit dem Rucksack würde ich derzeit keine 100 Hm hinkriegen.