Tag 49: Mittwoch, 13. August 2025:
Die temporäre Bivacco-Gemeinschaft löst sich am Morgen auf. Wahrscheinlich sehen wir uns nicht wieder.
Wir steigen ab ins Tal und begegnen alternden Schönheiten.
Eine Zirbe versucht sich an einem herausfordernden Wachstumsplatz. Wer verändert wen? Die Zirbe den Fels? Oder der Fels die Zirbe? In ein- bis dreihundert Jahren wissen es unsere nachfolgenden Generationen.
Ein Falter mit Flugeinschränkungen.
Der Stausee Lago Castello ist in Sicht. Trotz 1600 Hm wird es mittelgebirgig und schwülwarm.
Am Ende des Sees finden wir in Pontechianale einen Campingplatz, der noch ein Plätzchen für uns hat. Wir brauchen dringend eine Waschmaschine und auch sonst eine Runderneuerung.
Die Camper-Area ist zwar völlig abtörnend, ansonsten ist der Campingplatz ganz ok und wird familiär geführt.
Wäsche auf dem Schnelltrockner. Binnen 1 Stunde ist alles trocken.
Es ist ziemlich herausfordernd, parallel zum Etappenlaufen und anderer notwendiger Aktivitäten, eine komplett neue Planung auf die Beine zu stellen. Normalerweise mache ich sowas im Winter in einer warmen Stube ohne viele andere Verpflichtungen drumherum, verwerfe die Planung dabei auch mehrmals, bis sie endlich Form annimmt. Hier mache ich dass Ganze nun im Zeitraffer und auf meinem mobiltel.
Der neue Plan steht nun – wieder bereit für Veränderungen: Wir wollen im Valle Maira ein paar Tage den Etappen des Percorso Occitani folgen. Wenn das Wetter es zulässt, gibt es noch eine Runde auf der Tour de Chambeyron kombiniert mit dem Sentiero Dino Icardi.
Ferragosto wird hier schon angefeiert. Familien flanieren auf den Straßen. Der DJ schärft seine Musikanlage. Kinder spielen bis in die Nacht. Der wichtigste Festtag in Italien.
Recherchiert (Quellen werden nachgetragen): Ferragosto kommt von ‚Feria Augusto‘. Die Soldaten des römischen Kaisers Augustus besiegten vor 2055 Jahren die ägyptischen Truppen von Kleopatra. Daher gab Augustus dem römischen Reich drei freie Tage, um zu feiern – Feria Augusto -> Ferragosto. Seitdem ist dieser Festtag fester Bestandteil römisch-italienischer Kultur.
Ein christlicher Bischof im 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung kreierte den Festtag ‚Mariä Himmelfahrt‘ und setzte diesen auf genau diesen Festtag Ferragosto, den 15. August. Somit konnte er sicher sein, dass dieser neue kirchliche Feiertag auch wirklich gefeiert wird. Heute würden viele das als clever bezeichnen.
Italien steht auf jeden Fall um den 15. August herum still – bis auf die lebensnotwendigen und gastronomischen Dienstleistungen – ob wegen Kaiser Augustus Feiertag oder Mariä Himmelfahrt ist so ziemlich egal.
Tag 49: Bivacco Bertoglio – Pontechianale: 9,8 km – / 114 Hm – \ 1271 Hm
Tag 50: Donnerstag, 14. August 2025:
Leichten Herzens verabschieden wir uns von Pontechianale im Val Varaita.
Ein letzter Blick zurück vom Aufstieg auf einer steilen MTB-Route reicht aus.
Eher ist da der letzte Blick auf den mächtigen Monviso beeindruckend.
Serpentine um Serpentine schrauben wir uns auf dem durch Downhill-Abfahrten geschundenen Weg hinauf.
Es bleiben wie immer die kleinen Schönheiten am Wegesrand. Hier ein Falter, den ich auch häufig auf Kuhfladen sitzen sehe.
Nach dem Colletto della Battagliola (2248 Hm) bekommen wir neue Ausblicke – hier auf den Pelvo d’Elva (3064 Hm).
Eine Trattoria im Dorf Chiesa ist unser Ziel. Doch vorher setzt leichter Regen ein. Unsere Regencapes kommen zum erstenmal! zum Einsatz.
Die Trattoria ist ein freundlicher Familienbetrieb mit viieelen Ferragosto-Gästen.
Wir genießen die Atmosphäre und süffeln dabei eine Flasche Arneis leer. Buonanotte.
Tag 50: Pontechianale – Chiesa: 8,1 km – / 719 Hm – \ 847 Hm
Tag 51: Freitag, 15. August 2025 (Ferragosto!):
Noch ein Blick zurück auf das gemütliche Chiesa im Val Bellino, einem Nebental des Val Varaita.
Wenn es nicht so hoch läge und nicht ein paar 3000er drumherum stünden, könnte man sich tatsächlich im Mittelgebirge vermuten.
Zum Beispiel der Pelvo d’Elva mit seinen 3064 Hm. Ein imposantes Teil und, mit Ketten gesichert, auch für Wandernde besteigbar.
Es trübt am Mttag ein. Wir sind froh, keinen Besteigungsversuch gemacht zu haben. Lady C. entdeckt noch den Monte Chersogno (3026 Hm), der das Valle Maira überragt.
Tatsächlich bekommen wir mal etwas Regen ab und können unsere Regenpellerinen aus den Tiefen unserer Rucksäcke herauskramen und ausführen.
Bis Elva, einem kleinen Ort mit einem großen Lokal, das mal ein Internat war (mit angeschlossenem Kloster – ich ahne Böses …), geht es durch abgegraste, trockene Viehweiden.
Ferragosto ist leicht verregnet. Das Festzelt auf dem Dorfplatz steht zwar leer, doch ist die Locanda Elva voller italienischer Familien, die vom Opa bis zum Urenkel alle anwesend sind. Wie Weihnachen bei uns, nur ohne Geschenke mit mehr Platz und im Sommer
Tag 51: Chiesa – Elva: 9,5 km – / 854 Hm – \ 677 Hm





















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