Tag 11: Pietralavezzara – Bivacco Zucchelli
Reste des Hagels von gestern finden wir in den Morgenstunden am Rand der Straße. DIese mussten wir notgedrungen zum Passo Bocchetta hochlaufen, um nicht nochmal durch die jetzt bestimmt matschige Baustelle hindurch zu müssen.
Die Landschaft ändert sich völlig. Wir durchlaufen freie Flächen, die ab dem Frühsommer als Weideland genutzt werden.
Der Ligurische Höhenweg macht seinem Namen alle Ehre. Auch der ständige Wind ist nicht ohne.
Überrascht von der Weitsicht können wir nördlich der Poebene ein schemenhaftes Alpenpanorama mit noch schneebedeckten Bergen erkennen, das sich von Montblanc im Westen über die Bernina bis in die Dolomiten im Osten erstreckt. Ein Wahnsinn! Leider nicht fotografierbar …
Vereinzelte, dem Wetter standhaltende Bäume machen aus einer Wiese einen anmutigen Berghang. Was die Natur so alles macht …
Wir umrunden immer noch Genua auf einem großzügigen Halbkreis und sehen wie diese Stadt sich längs der Küste ausbreitet.
Noch ein sich in die Länge ziehender Anstieg zum Monte Penello (998 Hm) und wir erreichen am frühen Abend das Bivacco Zucchelli.
Es ist Samstag und wir sind bei diesem Wetter nicht allein. Junge Menschen, meist aus der Region, haben ihre Zelte hier platziert, um den Abend bei toller Sicht zu genießen.
Ein toller Sonnenuntergang trägt zur romantischen Stimmung bei. Fotos werden gemacht, Selbstbildnisse verschickt.
Wir teilen das Bivacco mit vier jungen Menschen, die ihre ersten Erfahrungen mit abendlicher Selbstversorgung machen und dabei viel Freude miteinander haben.
Tag 11: 20,7 km – 1158 Hm – 683 Hm
Tag 12: Bivacco Zucchelli – Passo del Faiallo
Wir machen uns früh auf, um das Jungvolk weiter ausschlafen zu lassen. Frühstück gibt’s später. Noch eine schöne Keramik digitalisiert, die die Atmosphäre gut wiedergibt.
Das Abschiedsfoto vom Bivacco Zucchelli muss dabei sein. Danke für die Herberge.
Es geht weiter. Wir passieren einen SteinIglu, der vermutlich in lang vergangener Zeit als Schäferbiwak diente.
Die Landschaft bleibt offen und und das Wetter windig. Lediglich ein paar Kiefern säumen den Weg.
Pionierpflanzen, wie z.B. Ginster, Haselnuss und Jungbuche bilden Buschwerk, in dem Lady C. plötzlich verschwindet.
Wir wandern durch weite Hochebenen, die im Sommer den Menschen als Weiden für domestizierte Tiere dienen. Dabei belohnen uns Blicke auf das Ligurische Meer.
Eine italienische Wandergruppe (Rarität!) begegnet uns.
Wir beginnen zu zählen, wieviel Wandernde, Bergradler und Elektro-Radfahrer uns seit Beginn unserer Wanderung begegnet sind. Seit 15 Tagen sind es 8 Weitwandernde, 15 Tageswandernde, 9 Bergradler und 11 Elektro-Radfahrer.
Schließlich kommen wir am Albergo ‚La Nuvola sul Mare‘ (‚Die Wolke über dem Meer‘) an. Der Name scheint etwas theatralisch, weil von hier aus kein Meer zu sehen ist und das Gasthaus eher ein Wochenendausflugslokal für Motorrradfahrer und Familien mit ihren Autos ist.
Am Abend sind wir mit einem jungen Bergradler aus der Schweiz die einzigen Gäste und lassen es uns bei Pansoti al sugo di noci und Coniglio al Ligure (mit Rotwein, Pinienkernen und Oliven) gutgehen. Beides wird zu Hause nachgekocht.
Tag 12: 16,3 km – 900 Hm – 840 Hm
Tag 13: Passo del Faiallo – Passo del Giove
Weiter geht es über hügelige Hochflächen, die sich auf ca. 1000 Hm befinden.
Von oben erblicken wir, wenn der Wind die Wolkendecke mal aufreisst, die Ligurischen Küstenstädte Arenzano und Varazze.
Eine durch Wind geformte Kiefer …
… erlaubt uns, über Perspektivwechsel und Relativität nachzudenken.
Mehrere Hütten (Mo-Fr geschlossen) liegen heute an unserem Weg, Ursache dafür ist wahrscheinlich der Parco del Beigua, ein Naturpark mit UNESCO-Geopark-Status und am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel für die hier heimischen Menschen.
Es gibt jedoch meist einen stets offenen Schutzraum,der auch für eine Übernachtung genutzt werden kann.
Um unsere Rucksackverpflegung zu strecken, essen wir im Rifugio Pratorotondo Pasta mit Pesto zu Mittag.
Unser Schweizer Bergradler, Batist, findet sich auch ein. Er berichtet, dass die Strecke von La Spezia bis hierher echt knackig war und er sowohl bergauf als auch bergab viel schieben musste. Für Elektro-Radfahrer sei die Strecke wegen des Gewichts des Fahrzeuges nicht geeignet.
Auf dem weiteren Weg fällt uns auf, dass die Rotbuchen in Form eines Niederwaldes stehen. Die Stämme sind schon früh gekürzt worden und haben deshalb viele Seitentriebe ausgebildet, die evtl. wieder gekürzt wurden oder jetzt ungekürzt vor sich hinwachsen dürfen.
Mal wieder auf Pflanzenjagd …
Schon seit gestern und auch heute versuchen wir in der Nähe des Passo del Giovo eine Unterkunft zu finden. Wir erhalten drei Absagen weil die Saison erst im Juni beginnt und vorher keine Vermietung stattfindet.
Am Passo angekommen, beginnt es, entgegen aller Vorhersagen, auch noch zu regnen. Somit schließt sich Zelten als normale Option aus, da Lady C. auf Kühle kombiniert mit Feuchtigkeit schon oft mit Krankheit reagiert hat.
Wir schützen uns unter dem Vordach des geschlossenen Albergo Govinda (nur Sa/So geöffnet), um weiter zu recherchieren und das Ende des Regens abzuwarten.
Jetzt kommt’s: Ein Transporter mit drei in Orange gekleideten Männern hält vor dem Haus. Lady C. fragt einfach mal, ob sie zum Albergo Govinda gehören und uns evtl. einen trockenen Schlafplatz anbieten können.
Als Antwort bekommen wir, dass sie dies nicht ablehnen können. Es stellt sich heraus, dass dieses Albergo mit veganer Pizzeria einer Krishna-Gemeinde im Nachbarort gehört. Wir bekommen ein einfaches Zimmer zugewiesen. Im Flur und in den Zimmern hängen Bilder in Krishna-Tradition. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich jährlich an einem zwölfstündigen Hare-Krishna-Mantra-Singen teilgenommen habe, was mir damals sehr gut getan hat.
Heute ist das Rascheln der Blätter oder das Knirschen der Steine unter meinen Schuhen beim Wandern mein Mantra.
Wir übernachten im Albergo Govinda als einzige Gäste auf Spendenbasis und freuen uns über die einfache und herzliche Hilfsbereitschaft. HARE KRISHNA!
Tag 13: 19,7 km – / 574 Hm – \ 1122 Hm


































Hare Krishna, Haribo!