Weserberglandweg, drei auf einen Streich

Eigentlich wohne ich ja in einer typischen mitteleuropäischen Urlaubslandschaft…

Das machte ich mir am Freitag zu Nutze und fuhr via ÖPNV in 30 Minuten nach Hann. Münden, wo der Weserberglandweg beginnt.

Es ging gleich prima los: Beim Frühstück auf der Flaniermeile im Stadtcafe kam ich mit einem sehr freundlichen Wanderpaar mit ähnlichen Ambitionen, Einsichten und Ansichten zum Thema Wandern ins Gespräch. Ein gutes „kick-off“.

Fakten zum Weg: Etappen 1 bis 3 insgesamt: 42 km, 790 m rauf, 700 m runter, Laufzeit: 10 Std.

Der Weserberglandweg wird im www genauso beworben wie so manch anderer WeitWanderWeg, der „prämiert“ ist. Und gleichzeitig hatte ich beim Wandern einen ganz anderes Gefühl als bei den bisherigen „Steigen“. 

Die Mittagshitze verbrachte ich im Schlaf im Schatten am Waldrand und anschließend bei gekühlten Getränken auf der Sababurg.

Dafür lief ich bei angenehmen Temperaturen von frühen Abend bis in die Dämmerung hinein. Das Abendlicht verzauberte den Wald in einen Tempel mit goldenen Fäden (ist zwar etwas pathetisch, aber eine andere Beschreibung fällt mir derzeit nicht ein). Ich konnte mich gar nicht satt sehen.

Und doch musste bald ein Schlafplatz her, den ich dann auf dem Wechselberg kurz vor Bad Karlshafen gefunden habe. Es war so schön draußen, dass ich lediglich das Innenzelt aufgebaut habe (als Zeckenschutz, ansonsten wäre auch das Innenzelt nicht nötig gewesen).

Am nächsten Tag lief ich dann entlang der Diemel und der Holzape stetig bergan zurück bis nach Hofgeismar. Von hier aus ist es für den ÖPNV eine Kleinigkeit, mich nach Kassel zu bringen.

Erkenntnis:

Mir machen die „normalen“, einfachen Wanderwege mehr Freude als die mit „Erlebnispunkten“ und in standardisiertem Abstand aufgestellten Corporate-Identity-Liege-Ruhe-Bänken aufgepimpten prämierten „Steige“, „Stiege“ und „Trails“.

  • Es war irgendwie „normaler“, (fast) ganz ohne das ganze Premium-Weg-Gedöns:
  • Wenn es mal eine Sitzbank gab (und das war selten), so war diese meist schon in den 90ern von irgendeiner Sparkasse, einem Stammtisch oder einem Gemeinderat gestiftet oder von einem Forstamt grob gehauen aufgestellt worden.
  • Ab und an war der Weg entweder von Wildschweinen oder Harvestern zerfurcht.
  • Manchmal erstreckte sich der Weg kilometerlang-weilig auf Forstautobahnen entlang.
  • Und manchmal musste ich den Weg in der Wiese oder am Waldrand als Pfad erahnen.
  • Es erwartete mich nicht stündlich ein neues „WanderErlebnis“, auf das ich mit Hinweisschildern besonders hingewiesen wurde (damit ich es auch wirklich als ein Solches wahrnehme).
  • Direkt am Weg einkehren konnte ich nur auf der Sababurg. Der Besuch anderer touristischer/gastronomischer Angebote hätten eines Umweges bedurft.

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