Zwischen GTA und HRP

Zwischen den Bergwanderungen ist kein stabiler Zustand. Das GTA-Projekt ist beendet. Der typische Blues nach Abschluss eines Vorhabens, sei es erfolgreich abgeschlossen oder gescheitert, stellt sich ein.

Aus meinem ehemaligen beruflichen Umfeld kenne ich diesen Zustand nur zu gut. Aber Blues ist ja auch eine wunderbare Musik, etwas traurig und melancholisch und gleichzeitig archaisch, kraftvoll und rythmisch. Irgendwas ist weg, meist die Freundin, das Auto, die Idee, das Projekt… und man jammert hinterher. Bei mir ist es die GTA-Tour. Oh Jeah!

Es ging von der „Ursprünglichkeit“ und Leere der Berglandschaft in die menschengefüllten Städte mit ihren Gerüchen, Geräuschen und Gebräuchen.

Alles ist dicht, kompakt und wuselig. Angefangen von der altrömischen, engen Innenstadt von Susa, über den Busbahnhof von Turin, wo ein rythmisches Kommen und Gehen von Bussen und Menschen herrscht, bis hin zum dichtgedrängt vollen Flixbus, der mich in einer Nachtfahrt über Marseille nach Toulouse gebracht hat. Dort konnte ich um 5 Uhr morgens das Wachwerden eines Bahnhofs beobachten. Menschliche Überbleibsel vor Vortag (oder noch älter) schlafen auf Bänken oder dem Boden, dann die ersten strukturierenden Maßnahmen durch den Sicherheits- und Reinigungsdienst bevor die Konsumtempel um 6 Uhr öffnen um den ersten bahnfahrenden Menschen etwas zu verkaufen, um so zum Bruttosozialprodukt beitragen.

Froh bin ich darüber, dass ich mich nicht mehr mit Fahrkartenschaltern oder -automaten herumschlagen muss, sondern alles via Trainline oder Rome2Rio erledigen kann. Wirklich sinnvolle Anwendung der Informationstechnik, diese beiden Apps.

Ab Toulouse in Richtung Pyrenäen wird es wieder weniger dicht. Zunächst zwei Etappen mit Landbahn und -Bus bis ich schließlich auf der letzten Strecke nach Loudenvielle am Ende des Val Lourdon für ca. 20km der einzige Fahrgast bin. Fahrpreis: 2 Euronen.

Dafür ist das Bier noch teurer als im Piemont und Loudenvielle kein verschlafenes Bergdorf mit 280 Ureinwohnenden. Die Anzahl der BewohnerInnen stimmt. Doch scheint der Ort sowohl im Winter als auch im Sommer ein attraktives Urlaubsziel fast nur für europäische MitbürgerInnen aus Frankreich zu sein. Windsurfen, Paragliding, Mountainbiking, Klettern und ein bisschen Wandern. Neben Essen, Trinken und Schlafen vertreibt man sich damit die Zeit bis zum Ende des Urlaubs.

Zimmer sind in der Hauptsaison nur wochenweise mietbar, bereits ausgebucht und die Preise schrecken mich ab.

Ich hatte noch Glück, auf dem Campingplatz überhaupt einen Stellplatz für mein Minizelt zu bekommen, – aber nur für eine Nacht, – dann kommen bereits die nächsten. Die Reservierung und Verteilung der Stellplätze ist hier streng geregelt und es gibt kein FünfeGeradeSeinLassen.

Dafür kam ich in den Genuss einer Sauna und eines Whirlpools, was mir sehr gut getan hat. Im Camping-Preis von 8,80 € enthalten.

Ich bin zwar von der Anreise noch ziemlich müde, doch für den HRP-Start morgen ist alles vorbereitet: Geld besorgt, (zuviel?) eingekauft (immerhin komme ich in den nächsten fünf Tagen in keinen Ort, jedoch liegen drei Refuges am Weg), Wäsche gewaschen, Wörterbuch auf französisch umgestellt, Landkarten und Wegbeschreibung (beides natürlich digital) studiert.

Jetzt fehlt noch ein leckeres Abendessen für einen entspannten und langen Schlaf.

Auf dem Weg zu „Chez Roge“ auf ein Abendbier hab ich ein altes Foto vor einem Museum fotografiert.

Diese Art von Hirtenhund (Bild Mitte ;-)) habe ich auch schon im Piemont kennengelernt und ihnen werde ich hier wohl auch noch ab und zu mal begegnen.

Bon Nuit.

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