Como-KS: Aufwärts bis Maloja

Tag 1 und Tag 2:

Das „in mich hineinspüren“ gelingt mir meist nur teilweise. Es kommen doch immer wieder auch ‚rationale Argumente‘ und deren gedankliche Abwägung hinzu.

Kurz und knapp: Mein Zeh, an dem ich im letzten Herbst operiert wurde, war während der Wanderung etwas druckempfindlich geworden. Um ihn weiterhin zu schonen und dadurch zukünftige Wanderungen besser machen zu können, entschied ich mich für die Radrückfahrt nach Kassel.

Nach dem Cappuccino in Como zog ich los. Es ging ca. 60 km den Comer See entlang. Bis auf einige Radwege musste ich die gut mit Autos befahrene Uferstraße nutzen. Das war eindeutig doof. Radsportbegeisterte Italiener machen das freiwillig und fahren mit kunterbunten Radkostümen in kleinen Gruppen diese Strecke, anscheinend mit Begeisterung …

Danach wurde es ruhiger und entspannter.
Über Radwege ging es über Land nach Chiavenna.
Von hier aus gab es schon erste Ausblicke auf die noch schneebedeckten Berge.

 „Mein“ Lagerplatz

Ein paar Kilometer darüber hinaus fand ich um ca. 19 Uhr in einem stillen, grünen Eckchen einen Lagerplatz mit guter Aussicht.

„Meine“ Aussicht

Insgesamt hatte ich von mittags bis abends rund 90 km zurückgelegt, – auf ebener Strecke.

Ganz anders war die Strecke am nächsten Tag. Ich brachte es auf sage und schreibe 27 km, – bei einem Anstieg von 1.500 Höhenmetern bis zum Malojapass. 2/3 konnte ich auf unbefestigten Radwegen hinterlegen, teilweise kräftigst bergauf.

Manche Bereiche waren noch komplett wg. Lawinengefahr oder Bergrutsche gesperrt.

hoch und elastisch = hochelastisch

Eine neu gebaute Hängebrücke soll hier die immer wieder im Frühling weggespülte normale Brücke dauerhaft ersetzen. Ich musste öfter als gewollt auf die Passstraße ausweichen, die nur mäßig von Autos befahren war. Soviel Wasser getrunken wie an diesem Tag hatte ich schon lange nicht mehr. 4-5 Liter flossen in mich hinein und fast alles übers Schwitzen wieder hinaus.

In einer Essenspause, – ich kochte mir gerade ein Fertigfutter – , kam ein erzählfreudiger Italiener auf mich zu, der eine Bar suchte. Nur waren wir leider schon in der Schweiz und die Anzahl solcher Etablissements ging ab Grenzübergang nahezu gegen Null. So kochte ich ihm einen Fertigespresso auf meinem Kocher. Dazu erzählte er mir seine Geschichten,

– dass er PersonalRecruiter in Mailand sei
– dass er in Lugurien Immobilien für Interessenten suche
– dass er gern Tennis spiele
– dass er Coaching wegen des ganzheitlichen Ansatzes total gut fände
– dass er am liebsten auf Teneriffa Tennis-Coach für Touristen sein würde
– dass er …

Seinen Namen habe ich vergessen, doch für mich nannte ich ihn „ManieFredo“.
Vom Zuhören erschöpft und erlöst stieg ich aufs Rad und fuhr weiter, – soweit es mir möglich war.

Denn um mich nicht kurzfristig ganz zu verausgaben, habe ich steile Straßenabschnitte geschoben, insbesondere die letzten Serpentinen hinauf zum Malojapass auf ca. 1.850 Höhenmeter. Hier merkte ich, dass ich zwar Ausdauer habe, mir aber die Kraft rapide verging, meinen „Rad-LKW“ kurbelnd in die Höhe zu treiben.

Je höher ich kam, umso toller wurden die Aussichten.

Mein Ziel war eine Zeltnacht am Lägh da Cavloc zu verbringen, einem der schönstgelegenen Bergseen in den Alpen (nur meine Meinung). Den kannte ich schon von einer Wanderung vor Jahren und war damals hin und weg.

Doch der Schnee machte mir einen Strich durch die Rechnung. Kurz vor dem letzten Anstieg (Radschiebezeit ca. 45 Minuten) war der Weg noch dick mit Schnee voll, so dass kein Vorankommen mehr war.

Salecina

Also suchte ich mir einen Zeltplatz in der vorgelagerten Hochebene, in dem sich auch ‚Salecina‘ befindet, ein politisches Tagungs- und Ferienhaus, dass noch aus den Zeiten der 68er-Generation übrig geblieben ist.

Wo stelle ich nur mein Zelt auf ?

Krokusse schießen sofort aus dem Boden, sobald der Schnee geschmolzen ist.

Gewitterdonner und dunkle Wolken kündigten anderes Wetter an.

Aber es verzog sich und übrig blieb ein schwach glühender Abendhimmel.

Zufrieden, gesättigt von Nahrung und Aussichten und auch erschöpft kuschelte ich mich in den Schlafsack. Es hatte nur knapp über null Grad Celsius.

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