Cadore

Tag 9, 9.7.:
Nach einem typischen italienischen Frühstück (bis auf die Brötchen) …

… verabschieden wir uns von unserer Herbergsmutter in Calalzo di Cadore.

Die Via Alpina ‚gelb‘ ist in den nächsten Tagen unser Leitfaden.

Sie führt uns zunächst durch das Cadore, eine Tallandschaft, die von Dolomitgipfeln und -berggruppen umrahmt und durchsetzt  ist.

Heute geht es von Calalzo di Cadore (760Hm) zum Rifugio Galassi auf 2.020Hm, das unter anderem Ausgangspunkt für die Besteigung des Antelao (3.264Hm) ist. Nach einer nicht ganz so schlimmen Asphaltstrecke geht es auf einer nicht ganz so schlimmen Schotter- und Geröllstrecke weiter.

Am Rifugio degli Alpini machen wir auf einer der PicknickBänke eine ausgiebige Rast unter Nutzung unserer neu beschafften PowerBank.

Powerbank

Aufgeladen steigen wir weiter auf. Wir sind irritiert darüber, welcher Berg nun eigentlich der Antelao ist. Gleich hinter uns kommt die Marmarole-Gruppe immer mehr in unseren Blick.

Kurz vor dem Ziel sehen wir endlich den Antelao mit seinen noch vorhandenen Gletscherresten, die auch bald vergehen werden. Ist leider nicht mehr aufzuhalten.

Antelao

Das Rifugio Galassi ist eine alte Kaserne aus dem Jahr 1913.

Die Strenge kann man außen noch erkennen, innen hat sie sich zu einem gemütlichen Ort für viele Besucher gemausert.

Eine ortsansässige Gemeinschaft von Freiwilligen betreut die Gäste und die Infrastruktur der Hütte mit System und großem Engagement. Das Abendessen ist für Hüttenverhältnisse vorzüglich.

Tag 10, 10.7.:
Um 7 Uhr gibt es Frühstück. Ca. 20 Übernachtungsgäste sind wir. Die MitarbeiterInnen sind wg. Covid-19 sehr achtsam, tragen im Essensraum Masken und bringen alles an unseren Frühstückstisch, so dass so wenig Bewegung wie möglich im Raum ist und keine Menschentraube sich am Buffet sammelt.

Zum Abschied noch ein Rückblick auf den Antelao.

Wir steigen ab nach San Vito di Cadore (1011Hm) und sehen dabei schon unser nächstes Ziel, das direkt rechts neben dem Monte Pelmo liegt.

San Vito di Cadore an Monte Pelmo

San Vito di Cadore entpuppt sich als mondäner Urlaubsort, der nur wenige Kilometer südlich von Cortina d’Ampezzo liegt.

Flaniermeile von San Vito di Cadore

In einer Bar pausieren wir und nutzen das Wifi, um Kontakte zu pflegen.

Immer wieder freue ich mich über die hiesige Brunnenkultur. In den Orten kann man alle Nase lang Trinkwasser abfüllen oder trinken. Zu Hause vermisse ich dieses Angebot sehr.

Unser Ziel ist heute Tiera, eine Lichtung im Wald, auf der ein Gebäude auf der Karte zu erkennen ist.

Der Weg 470 soll dort hin führen. Soll.

Nach einer Wegstrecke von ca. 2 km ist der Weg an einer Bachbrücke weggespült. Wir überwinden diesen Wegabbruch leicht akrobatisch. Nach einigen Meter folgt ein weiterer Wegabbruch, den wir auch noch auf sehr schmalem Pfad überwinden. Der dann folgende Abbruch ist eine längere Strecke über eine tiefe, steil abfallende Böschung. Jetzt reicht es uns. Wir geben nach, passen uns den Gegebenheiten an, gehen zurück und finden über einen zweistündigen Umweg zu unserem Ziel, Tiera.

Zwei Häuser stehen hier. Eins davon ist belebt. Wir fragen, ob wir unser Zelt aufstellen dürfen und sind herzlich willkommen.

Zelten in Tiera

Salat aus dem eigenen Hochbeet wird uns angeboten. Dazu noch zwei Flaschen Bier. Wir fühlen uns wie im Paradies. Ich steuere aus meinem Rucksack noch ein Steinpilzrisotto bei und es wird ein wunderbarer Abend in Tiera di Cadore.

Tag 11, 11.7.:
Früh am Morgen bekommen wir von unserem Gastgeber richtig starken italienischen Kaffee. Eine echte Droge.
Er will mit seiner Partnerin früh zur Arbeit. Auf seinem Quad fährt er zur einer Kinderfreizeit, wo er Bergewissen und -spaß vermittelt.  Fairplay heißt das Unternehmen und ist in ganz Italien vertreten.

Piccolo Paradiso Tiera

Um 9 Uhr ist unser Geraffel gepackt und wir machen uns auf den steilen SchotterForstWeg. Interessant ist, dass mich die Schotterwege hier weit weniger nerven als bei uns in den Mittelgebirgen. Wahrscheinlich weil es parallel so viel zu schauen gibt.

Ab hier geht es weiter auf schönen Bergpfaden. Ein Gumpen lädt und zum Baden ein. Wir lehnen dankend ab.

Je höher wir kommen, um so beeindruckender wird die Rückschau.

Lady C. an Marmarole

Nach einer Rast am Passo … (1974Hm) erreichen wir kurze Zeit später das Rifugio Citta di Fiume, umgeben von typisch italienischer Picknickquirligkeit.

Das Rifugio liegt phantastisch unterhalb der Monte-Pelmo-Gruppe.

Ab hier ist die Via Alpina ‚gelb‘ für einige Zeit identisch mit dem Dolomitenhöhenweg Nr.1, dem beliebtesten Weitwanderweg durch die Dolomiten. Wir merken es unter anderem am gepflegten Wegebau und an der Begrüßungsfrequenz.

Dolomitenhöhenweg Nr.1

Nach ca. einer Stunde zweigen wir von Nr.1 ab und sind plötzlich wieder allein unterwegs in Richtung Forcella Giau (2360Hm).

Die Bergpanoramen sind wirklich beeindruckend. Auch ohne weitere Kommentare oder Namen …

Ein kleiner Ab- und Aufstieg bringen uns zur  Forcella Piombin (2230Hm). Es ist bereits 18 Uhr und wir beschließen hier auf einer kleinen halbwegs ebenen Fläche das Zelt aufzubauen. Lady C. macht ein Nickerchen zur Erholung. Danach stellen wir fest, dass es hier wahrscheinlich ziemlich kühl in der Nacht wird und entscheiden uns fürs Weiterlaufen.

Am Passo Giau treffen wir auf moderne Wohnmobilität.

Jetzt noch 3km Passstraße und wir erreichen um 20 Uhr das Rifugio Fedare, das uns ein einfaches Zimmer mit Dusche, Essen und einen Rotwein bietet.

Rifugio Fedare, mehr Gasthaus als Hütte, – aber o.k.

Wir schauen aus dem Fenster. Die Berge sind in Wolken gehüllt. Wenn wir an der Forcella Piombin gezeltet hätten, wäre es jetzt schon kalt und wolkenfeucht. Mal wieder alle richtig gemacht.

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