Carnica

Tag 4, 4.7.:
Eine Nacht im Bett ist erholsamer als eine Nacht im Zelt. Aber die ist meist schöner.

So starten wir vom Hotel Venezia in Sappada erholt in den Tag, kaufen nach einem opulenten Frühstück Käse, Schinken, Nüsse und Brot im Alimentari ein und starten in unsere heutige Etappe zum Rifugio Gasperi.

Es geht fast eben in ein Tal, in dem Rio Storto und Rio Enghe fließen. Zum Ende hin wird der Weg schmaler.

Dieser Wegabschnitt ist gestern erst weggespült worden.

Manchmal ist er auch komplett weggespült und wir müssen die Böschung auf unkonventionelle Art überwinden.

Nach dem Abzweig zum Passo Elbel kommt ein Steilanstieg, der es in sich hat. Ein kleiner Wasserfall mit angeschlossener Badewanne ist mal eine angenehme Abwechslung.

Passo Elbel

Gemäßigt geht es durch Wald und Wiese bis zum Passo Elbel. Von hier geht’s bergab und das im Regen, der uns bis zum Rifugio Gasperi begleitet.

Rifugio Gasperi

Hier treffen wir auf eine Handwerker-Mannschaft, die alle Fenster der Hütte auswechselt. Daher sind wir die einzigen Gäste und werden von Simone, dem Hüttenwirt, persönlich betreut.

Wir erfahren, dass er allein an Hüttenpacht jährlich 6000€ erwirtschaften muss. Das fällt natürlich schwer bei den italienischen Eintages-Schönwetter-Wandernden. Hüttenwanderungen sind hier vollkommen ungewöhnlich.

Cena a la Simone

Zum Abendessen bekommen wir Handwerkerkost (bei Rockmusik zubereitet): Knoblauchsuppe, Frico, Polenta und BohnenTomatenGemüse, dazu Rotwein und Wasser. Passtscho!!

Als Dessert singt Alvise traditionelle Lieder aus dem Friaul und begleitet sich auf seiner Gitarre.

Friuli ist die italienische Bezeichnung für die nordöstliche Region Italiens Friaul. Es scheint eine ziemlich verlassene Gegend zu sein mit eigener Sprache, dem Friulischem, einer Mischung aus karnischen, italienischen und slowenischen Sprachelementen.

Tag 5, 5.7.
Bei Lady C. macht sich ein Schmerz im unteren Vorderfuß bemerkbar. Gemeinsam mit dem Hüttenwirt überlegen wir, wie wir in dieser verlassenen Gegend an Gel-Einlagen für die Bergschuhe kommen. Simone hat die rettende Idee, einen Freund die Einlagen im 10 km entfernten Dorf kaufen zu lassen. Dieser bringt sie dann zu unserem heutigen Ziel, dem Refugio Tenento Fabbro, das direkt an einer Passstraße liegt.

Mit der Hoffnung, dass so ab morgen die Schmerzen gemildert werden können, machen wir uns auf den heute nicht so langen Weg.

Es geht steil den Wald hinab, dann vorbei an verlassenen Almen, die hier ‚Casera‘ heißen.

Verlassene Casera
Küche
Schlafzimmer
Kaminzimmer

Zum ersten Mal sehen wir ein Hinweisschild auf den Dolomitenhöhenweg Nr.6 (die 6 im blauen Dreieck).

Wir passieren nicht mehr genutzte Kuhställe auf Almen.

Heutzutage sind die milchgebenden Kühe im Tal ‚aufgestallt‘, damit die abgesaugte Milch anschließend effizienter weiter verarbeitet werden kann. Auf den Almen stehen meist nur noch junge Rinder, die dann später als milchgebende Kühe ‚aufgestallt‘ oder, wenn männlich, geschlachtet und zu Wurst- und Fleischwaren verarbeitet werden.

In den letzten Tagen hat es hier sehr viele Regenfälle gegeben, so dass die Bäche zu reissenden Sturzfluten angewachsen sind und Wege und Straßen fortgespült haben. Auch wir müssen einmal einen neuen Weg über einen Bach suchen, der eher einer Stein- und Schotterlawine gleicht.

Windbrüche im Wald in Form von Schneisen sind häufig anzutreffen. Meist sind trockene  Fichten die Opfer. Diese wiederum sind wohl der globalen Klimaveränderung zuzuordnen, die im Alpenraum noch schneller ihre Auswirkungen zeigt.

Hier wird die normale Forststraße komplett durch Holzabfuhr eines Windbruchs versperrt. Uns bleibt nur die Umgehung im Steilhang.

Kurz vor dem Rifugio Tenento Fabro beginnt es zu regnen und wir freuen uns, dass wir den Rest des Gewitters im trockenen Massenlager bei einer Mittagsvesper verbringen können.

Tatsächlich bringt der Freund von Simone etwas Gelartiges für die Füße vorbei. Leider sind es nicht die erhofften Gel-Einlagen sondern Blasenpflaster. Mit Dankbarkeit nehmen wir die gut gemeinte Absicht an –  und überlegen uns eine andere Lösung: Ich trete meine Einlagen an Cornelia ab und schneide sie passend zurecht. In 5 Tagen kommen wir in einen Ort mit Geschäften und Apotheke. Vielleicht kann ich dort Ersatz beschaffen.

Tag 6, 6.7.:
Beim reichhaltigen Frühstück macht uns die Gastwirtin darauf aufmerksam, dass unsere für heute geplante Strecke zum Rifugio Giaf durch einen  Felssturz nicht begehbar ist. Am 29.6. ist in dieser Gegend ein heftiges Unwetter durchgezogen, das so manchen Weg und manche Straße unpassierbar gemacht hat.

Sie hat auch gleich einen Vorschlag für eine Alternativroute parat. Ich speichere mir diese Strecke in Locus Map und mit etwas Verzögerung geht es los.

Die Route führt nochmal zu einem Pamoramablick auf den westlichen karnischen Höhenzug bevor sie zur Localita Risumiela aufsteigt.

Beim Hinuntergehen machen wir Rast an der Casera Tragonia, die auch als Herberge genutzt werden kann. Der Almhüttenwirt rät uns für den Abstieg nach Forno di Sopra den Weg entlang am Torente Tolina zu nehmen. Ein guter Rat.

Kaskade im Torrente Tolina

Nach einem langen und zugleich schönen Abstieg erreichen wir Forni di Sopra, die Perle des Friaul.

Forni di Sopra

Altehrwürdige Häuser bilden den Ortskern. In einer Bar rasten wir bei Coca und Zitronenwasser. Jetzt brauchen wir noch 2,5 Stunden, um entlang des Torrente Giaf zum gleichnamigen Rifugio Giaf zu gelangen.

Rifugio Giaf

8,5 Std. brauchten wir für 19 km, ca. 900Hm aufwärts und 1250Hm abwärts. Entsprechend schmeckt uns das Abendessen: Gemüsesuppe, Nudel-Kartoffel-Tomaten-Eintopf, Gulasch mit Polenta, Schokokuchen mit Sahne.

Gleichzeitig mit uns hier sind noch 14 Kinder zwischen 8 und 12 Jahren, die hier ein einwöchiges „Mountain Adventure Camp“ erleben. Nebenbei erfahre ich, dass in Italien die Schulferien von Anfang Juni bis Ende August dauern. Blasser Neid!

Zwei Einheiten friaulischen Weißweins verschaffen uns Entspannung und Bettschwere. Die Größe der Einheit bleibt unter uns.

3 Kommentare

  1. sabine
    9. Juli 2022
    Antworten

    liebe grüße von sabine. und alles gute für die füße.

  2. Antonia
    11. Juli 2022
    Antworten

    die Bilder sehen herrlich aus! Am liebsten würden wir unsere Sachen packen und mitwandern, Ganz liebe Grüße von uns dreien zu Hause!

  3. Nicola Behrend
    12. Juli 2022
    Antworten

    Hallo Ihr LIeben,

    es macht große Freude, Euch auf der Reise zu folgen !!! Es hilft ein wenig darüber hinweg, dass wir unsere nächste gemeinsame Wandertour erst im September/Oktober haben.

    Herzliche Grüße aus Kassel,

    Nicola

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