Trentino II

Tag 27, 27.7.:

Viel zu schnell wollen wir uns von diesem angenehmen, schönen Ort, Casa Patrizia, verabschieden.

Denn heute morgen schweifen wir vom Sentiero Italia etwas ab, um ein Schlucht zu erkunden.

Erst geht es nach Fondo, einem kleinen Städtchen mit allen notwendigen Läden. Ein kleiner Einkauf (ich verstehe immer mehr italienisch) und wir machen uns auf die Wandersocken.

Steil geht es auf dem Sentiero del Molino in die Schlucht etwa 250Hm hinab. Der Weg wird anscheinend nicht oft begangen, weil zugewachsen.

Sentiero del Molino

Unten erwarten uns gefühlt ca. 153.000 Bremsen, die schon lange kein menschliches Wesen mehr überfallen konnten.

Dementsprechend ist permanente Bewegung angesagt (wie bei Oshos Kundalini), auch wenn wir stehen, um uns zu orientieren oder einfach mal nur zu gucken, denn die KalksteinWände sind großartig und senkrecht.

Der Weg führt zunächst am Grund der Schlucht entlang, …

Sentiero del Molino

… um zum Ende anzusteigen und quer durch eine senkrechte Wand spektakulär aus dem Canyon hinauszuführen.

Sentiero del Molino

Gleichzeitig ist die Wand ein KletterEldorado mit Routen, die gut mit Bohrhaken gesichert sind.

Völlig durchgeschwitzt von der warmen Feuchte im Schluchtengrund gönnen wir uns eine große Trinkpause in Dovena.

Die restlichen 12km der heutigen Etappe setzen sich aus Straßen (ruhig) und Forstwegen (durch schöne Landschaft) zusammen.

Kurz vor dem Ziel hören wir noch ein krachendes Gewitter in der Nähe, bekommen  aber nur einen kleinen Regenguss ab.

Erste ‚echte‘ Berge kommen wieder in Sicht.

Über eine sumpfige Hochebene erreichen wir die Malga Castrin. Wir sind die einzigen Gäste und werden herzlich willkommen geheißen.

Malga Castrin

Auf so einer Alm wäre es herrlich ruhig, wenn nicht auf der Terrasse neben Radio Südtirol noch einige Handwerker die Überdachung erweitern würden: Flexen, Sägen, Bohren und italienische Abstimmungsdebatten … aber tutto bene !!

Ein Blick auf die Grappa-Hausbar

Der Knaller! Lady C. hat zum Abendessen sieben!! dicke Reibekuchen verdrückt!!, inkl. dicker Käsescheiben.

Lady C. an Torte Patata

Tag 28, 28.7.:
Morgenstimmung bei der Malga Castrin.

Wir verabschieden uns herzlich von unserer wohlwollenden Gastgeberin und tornistern weiter.

Es ist kühl und angenehm windig. Wir schauen über das Val di Non.

Es ist ein grüner Spaziergang durch Wald und über gepflegte Almen, die die Gastronomie als Nebenerwerb entdeckt haben.

Wir freuen uns jetzt schon auf ‚richtige‘ Berge. Schon um 14 Uhr erreichen wir Lanza di Rumo, finden schnell ein Quartier in einem Agriturismo, kaufen in der famiglia cooperativa ein …

Lanza

… und bereiten uns für die nächsten Tage vor: Waschen, Kochen, Schuhe putzen, ausruhen, digitale Post erledigen, – ein halber Ruhetag ist rasend schnell vorbei.

Tag 29, 29.7.:
Wir sitzen im Bivacco Binasia. Ein Feuer lodert im Ofen und es ist herrlich warm. Ein heftiger Regen prasselt aufs Dach. Unsere Schuhe trocknen sanft über dem Ofen, denn heute haben uns zwei kräftige Regengüsse erwischt.

TrockenAktion im Bivacco Binasia

Doch zurück zum Tagesanfang.
Unsere zunächst spröde Gastgeberin wird kurz vor unserem Aufbruch redselig. Wir hören gern zu und starten später.

Hinter dem Ortsende von Lanza geht es sofort steil bergan …

… bis zur Malga Stablei.

Malga Stablei

Hier treffen wir auf den Hirten und erfahren, dass es auch hier Wölfe gibt. Ein Lamm ist gestern gerissen worden, ein zweites sucht er noch.

Eigentlich wollen wir heute über den Monte Pin (2410Hm) unser Ziel erreichen. Mittags aber liegt der Monte Pin in Wolken, so dass wir eine andere Route wählen.

Es stellt sich heraus, dass diese Strecke ziemlich zugewachsen und daher auch schlecht aufzufinden ist.

Unsere Hosenbeine werden vom Gras und Gebüsch klatschnass. Nach einiger Zeit kommt noch Wasser von oben hinzu und füllt unsere Schuhe. Wir sind froh, dass es nicht kalt ist und suchen konzentriert unseren Weg.

Lady C. im „Gemüse“

Nach diesem nassen und auch recht anstrengenden Intermezzo begegnen wir einer Gruppe Pferde, die uns interessiert hinterher laufen.

Auf schmalen Wegen nähern wir uns unserem Nachtlager. Die Weite der Landschaft ist beeindruckend.

Das Bivacco liegt direkt neben einer Malga. Der junge Hirte begrüßt uns herzlich, versorgt uns mit Feuerholz und Bier.

Bivacco Binasia

Wir trocknen all unsere Sachen, kochen gleichzeitig Risotto, lauschen dem Regen und freuen uns über ein trockenes Dach über dem Kopf.

Tag 30, 30.7.:
Ein starker Wind hat in der Nacht alle Regenwolken weggeweht. Die Erde hat das Wasser gierig aufgesaugt.

Der klare Himmel am frühen Morgen erlaubt einen Blick auf die AdamelloGruppe? und die Presanella?.

Gut gelaunt und getrocknet verabschieden wir uns vom Bivacco Binasia.

Auf Höhenwegen mit mäßigem Auf und Ab laufen wir …

… acht Stunden durch schier endlose Weite.

Passo Palù

Dabei schauen wir auf die Gegend, durch die wir in den kommenden Tagen vagabundieren wollen.

Schließlich ist das Rifugio Lago Corvo in Sicht.

Rifugio Lago Corvo

Durch den ständigen frischen Wind heute freuen wir uns auf eine warme Stube und ein deftiges Abendessen.

Warme Stube

Info: die Hütte ist auch eine Station auf einem der klassischen MTB-Alpencrosses …

… und für den Ultener Höhenweg. Dem entsprechend gemischt ist die Gästeschar.

Tag 31, 31.7.:
Der Wind hat sich über Nacht gelegt. Nach dem Frühstück machen wir einen kurzen Abstecher zum Lago Corvo und sind dort kurze Zeit allein.

Der folgende Abstieg nach Bagni di Rabbi ist leichter als gedacht.

Uns begegnen heute, am Sonntag, viele Ausflügler, die entweder die umliegenden Almen oder das Rifugio Lago Corvo besuchen wollen. Dementsprechend ist der Wanderparkplatz voll.

Wir merken, dass wir durch den Nationalpark Stilfser Joch laufen.

Nach ca. 1200Hm Abstieg erreichen wir Bagni di Rabbi, das neben einem geöffneten Grand Hotel auch mittlerweile viele geschlossene Gasthöfe zu bieten hat.

Ins Val Cercen geht es auf einer Schotterpiste ca. 7km bergauf. Die Sicht auf den Passo Cercen macht Vorfreude.

Val Cercen

Wir bleiben jedoch unterhalb des Passes in der Malga Cercen alto, 2147Hm.

an der Malga Cercen alto angekommen

Den Plan zu zelten verwerfen wir, als wir merken, dass der Wohnraum der Malga offen steht und ein Holzofen da ist, denn es wird frisch hier oben …

Wir genießen das abendliche Lichtspieltheater von Sonne, Wolken und Bergen.

Tag 32, 1.8.:
Der Wecker klingelt um 5:30 Uhr. Der blaue Himmel treibt uns von der Matte. Paralleles Packen und Frühstücken. Und los geht’s.

Noch ist das Licht rötlich.

Zum Passo Cercen laufen wir mit der Sonne im Rücken und haben einen Rückblick auf die Malga, die uns beherbergt hat.

Nochmal nehmen wir die Weite der Landschaft wahr.

Am Passo können wir einen Blick auf noch vorhandene Gletscher genießen: Monte Cevedale und Monte Rosole liegen vor uns.

Zunächst geht es moderat abwärts …

dann immer steiler, insgesamt 1250Hm auf 10km bis wir Peio im Val di Sole erreichen.

Der einzige Campingplatz hat noch einen Stellplatz für uns und wir legen unseren ersten großen Waschtag ein: Alles, bis auf die Regensachen, in die Waschmaschine. Duschen, einkaufen, digital kommunizieren und schwupps ist der Tag vorbei.

Übrigens soll hier in der Nähe am Tonale-Pass noch eine weitere Kabinenbahn ein weiteres Skigebiet erschließen.

Peio 3000, völlig aus der Zeit gefallen!!

Ein Kommentar

  1. 4. August 2022
    Antworten

    Lieber Klaus, liebe Lady,
    endlich bin ich dazu gekommen, eure Berichte detaillierter nachzuverfolgen..
    Es macht große Freude, sie zu lesen und die Auf- und Abschwünge (geografisch und stimmungsmäßig) nachzuvollziehen!
    Weiterhin guten Weg, akzeptables Wetter und passende Übernachtungsplätze!
    Uwe

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